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1. Bildungsbericht 2012 des Landkreises Görlitz

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Zukunft durch Bildung im Landkreis Görlitz: Mit Energie und ohne Grenzen!

28 Soziodemografische

28 Soziodemografische Rahmenbedingungen und Grundinformationen für die Bildung im Landkreis Görlitz Sowohl die natürliche Bevölkerungsentwicklung als auch die Wanderungsbewegungen im Landkreis Görlitz folgten in den letzten zwei Jahrzehnten einem Abwärtstrend. 3.2.2 Bevölkerungsentwicklung Der Landkreis Görlitz befindet sich mit seiner östlichen Lage in dem Teil des deutschen Bundesgebietes, der am deutlichsten vom demografischen Wandel betroffen ist. Neben dem Landkreis Oberspreewald-Lausitz und dem Landkreis Vorpommern-Greifswald gehört der Landkreis Görlitz zu den Gebieten, in denen sich das Ausmaß des Bevölkerungsschwundes am stärksten bemerkbar macht. 21 So folgt die Bevölkerungsentwicklung im Landkreis Görlitz seit zwei Jahrzehnten einem in den einzelnen Jahren unterschiedlich starken, aber deutlichen Abwärtstrend. Diese negative Entwicklung der Anzahl der Gesamtbevölkerung zeigt sich sowohl in der natürlichen Bevölkerungsentwicklung 22 vor Ort als auch in den Wanderungsbewegungen 23 aus dem Kreisgebiet heraus. Die Geburtenzahlen sinken seit 1980 sukzessive (vgl. A2-Tab. 3.2-4). Im Jahr 1980 wurden auf dem Gebiet des heutigen Landkreises Görlitz 5.823 Lebendgeborene erfasst, im Jahr 1990 waren es 3.993 Lebendgeburten. Von 1990 bis 2000 hatte sich deren Anzahl um 42% verringert, seit 1980 lag sogar ein Rückgang um 60% vor. Von 1990 zu 2010 ging die Anzahl der Lebendgeburten um 49% zurück, im Vergleich zu 1980 um 65%. Demgegenüber hat sich die Zahl der Gestorbenen seit 1990 jedoch von 5.155 Personen um nur 29% (2000) und 23% (2010) verringert. Auf ein Neugeborenes vor Ort kamen 1990 also etwa 1,2 Gestorbene, im Vergleichsjahr 2010 war die Sterberate nahezu doppelt so hoch wie der Anteil der Lebendgeborenen (vgl. Tab. 3.2-5). Jahr 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 Lebendgeborene (a) 3.993 2.403 2.037 1.803 1.745 1.894 2.169 2.174 2.300 2.187 2.327 2.160 2.068 2.145 2.169 2.065 2.069 2.116 2.058 2.092 2.050 Gestorbene (b) 5.155 4.815 4.645 4.500 4.251 4.250 4.194 3.844 3.905 3.690 3.684 3.657 3.654 3.901 3.646 3.707 3.696 3.687 3.699 3.777 3.947 Differenz (b) - (a) 1.162 2.412 2.608 2.697 2.506 2.356 2.025 1.670 1.605 1.503 1.357 1.497 1.586 1.756 1.477 1.642 1.627 1.571 1.641 1.685 1.897 Tab. 3.2-5: Lebendgeborene und Gestorbene im Landkreis Görlitz 1990-2010 Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, 2011b Im Landkreis Görlitz war die Abwanderungsquote der männlichen Bevölkerung seit 2000 höher als die der weiblichen. Der Abwärtstrend in der Entwicklung der Bevölkerungszahl im Landkreis Görlitz (vgl. A1-Abb. 3.2-3) wird durch die räumliche Bevölkerungsbewegung verstärkt. Die Fortzüge beliefen sich im Jahr 2010 auf 7.748 Personen, was einem Bevölkerungsanteil von 2,8% entsprach. Zieht man hierzu die Vergleichsjahre 2000 und 2005 mit einem abwandernden Bevölkerungsanteil von 2,9% und 2,8% heran (vgl. A2-Tab. 3.2-6), wird deutlich, dass die Quote der Fortzüge in der letzten Dekade auf hohem Niveau stagnierte. Die Zahl der Zuzüge in den Landkreis Görlitz ist seit jeher geringer als die der Fortzüge. In den Jahren 2000, 2005 und 2010 21 vgl. Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung (Hrsg.) 2006, S. 8ff 22 Die natürliche Bevölkerungsbewegung ergibt sich aus der Anzahl der Lebendgeburten und Sterbefälle. 23 Die Wanderungsbewegung beinhaltet den Zu- und Fortzug der Bürger des Landkreises.

Soziodemografische Rahmenbedingungen und Grundinformationen für die Bildung im Landkreis Görlitz 29 belief sich das Wanderungssaldo auf -4.055, -3.008 und -2.278. Bezug nehmend auf die Gesamtbevölkerung in den jeweiligen Jahren bedeutet das eine durch die Bevölkerungswanderung verursachte Verringerung um 1,3% (2000), 1% (2005) und 0,8% (2010). Bei einer Betrachtung der Wanderungsbewegung nach dem Lebensalter zeigt sich, dass die Anzahl der Zu- beziehungsweise Fortziehenden nahezu in allen Lebensabschnitten gleich hoch war (vgl. Abb. 3.2-4). Eine Ausnahme bildeten die Altersgruppen der 18- bis unter 25-Jährigen sowie der 25- bis unter 55-Jährigen. Bei diesen Altersgruppen war die Wanderungsdynamik besonders hoch. Es handelt sich um Personen in den Lebensphasen, in denen für gewöhnlich die Aufnahme einer Ausbildung oder eines Studiums erfolgt beziehungsweise einer Erwerbstätigkeit nachgegangen wird. Zudem muss berücksichtigt werden, dass die Bevölkerungsgruppe der 25- bis unter 55-Jährigen die personenstärkste war. Die Zu- und Abwanderungen in diesen Altersgruppen stehen in einer wechselseitigen Beziehung zu der wirtschaftlichen Situation des Landkreises. Zum Beispiel beeinflusst das regionale Angebot an Ausbildungs- und Studienplätzen durchaus die Entscheidung der jungen Menschen während der Lehrzeit und gegebenenfalls darüber hinaus in der Region zu bleiben beziehungsweise den Wohnsitz in den Landkreis zu verlegen. Des Weiteren trägt ein attraktiver Arbeitsmarkt dazu bei, dass die erwerbsfähige Bevölkerung vor Ort bleibt oder sich hier ansiedelt. Der Verbleib und der Zuzug der 25- bis unter 55-Jährigen steigert zudem die Wirtschaftskraft der Region. Im Abwanderungsverhalten lassen sich weiterhin geschlechtsspezifische Differenzen erkennen. In den Jahren 2000, 2005 und 2010 verringerte sich die männliche Bevölkerung abwanderungsbedingt um 3,1%, 2,9% und 3,1%. Die Wanderungsverluste in der weiblichen Bevölkerung lagen in den gleichen Jahren bei 2,6%, 2,7% und 2,5%. In allen drei Vergleichsjahren war die Abwanderungsquote der männlichen Bevölkerung also höher als die der weiblichen. Nur in der Altersgruppe der über 65-Jährigen war der Anteil der weiblichen Fortziehenden deutlich höher als der der männlichen. Diese überdurchschnittlich hohe Frauenquote spiegelte sich allerdings auch in der gleichen Altersgruppe der Gesamtbevölkerung des Landkreises wider. Abb. 3.2-4: Anzahl der Fortzüge nach Alter und Geschlecht im Landkreis Görlitz 2010 Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, 2011b

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