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12. Ausgabe - Zeit(ung) für Kinder

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Erscheinungsdatum: 12/2016

DAS PROJEKT ERZÄHLEN

DAS PROJEKT ERZÄHLEN – EIN SCHATZ FÜR DIE ZUKUNFT, EIN VORHABEN ZUR SPRECHFÖRDERUNG UND PRAXISNAH: IN DER MEHRSPRACHIGEN OBERLAUSITZ NACHBARSPRACHIGE BEGEGNUNG 10 Das tschechisch-deutsche Erzähltandem Jana Podlipná und Jule Richter erzählt die Geschichte vom „Pfannkuchen“. Das Erzählen ist eine Form der Kommunikation mit jahrhundertelanger Tradition und kunstvollen Ausprägungen. Mündlich ein Erlebnis oder Vorkommnis anschaulich zur Darstellung zu bringen, bedarf langen und ständigen Übens und frühzeitiger Begegnung mit dieser Form der Weitergaben von Erfahrungen und Erkenntnissen. Jemandem etwas mündlich mitzuteilen oder über ein emotionales Erlebnis zu berichten, wird in unserer Zeit, die zunehmend von unpersönlicher, ja kalter, elektronischer Daten- und Informationsübermittlung geprägt ist, immer wichtiger. Das Sprechen und Erzählen fördert so nachhaltig die Sprechfähigkeit, die Anwendung der Sprache sowie auf bedeutsame Weise auch Sozialresonanz. Das Erzählen fordert auf der Seite der Adressaten das Zuhören heraus und soll zum Weitererzählen motivieren. Das Projekt „ERZÄHLEN – ein Schatz für die Zukunft“ möchte das Defizit der mündlichen Weitergaben von Erlebnissen, Geschichten, Märchen, Mythen, Erfahrungen und Informationen aufgreifen und mit Kindern im frühen Kindesalter die verschiedenen Techniken des Erzählens altersspezifische vermitteln und üben. Das Spezifikum der Region Oberlausitz-Niederschlesien, die durch ihre Mehrsprachigkeit in der zweisprachigen Lausitz und durch die Nachbarsprachen Polnisch und Tschechisch gekennzeichnet ist, wird in diesem Projekt besonders zu berücksichtigen sein. Insbesondere soll perspektivisch auch der in unserer Region neuen Situation des Miteinanders von Kindern verschiedenster Nationen, die durch die gegenwärtige Entwicklung der Flüchtlingsbewegung beschleunigt wird, Rechnung getragen werden. In jeweils einer Kindereinrichtung (Kita oder Grundschule) im polnisch-deutschen und im tschechisch-deutschen Raum sowie im deutsch-sorbischen Sprachgebiet des Kulturraumes sollen in diesem Jahr erste Erfahrungen mit der speziellen Methodik dieser Projektarbeit und der Verwendung der Zwei- oder Mehrsprachigkeit gesammelt werden. Die Kinder aus den Einrichtungen, die in das Projekt einbezogen werden, sollten sowohl Kinder sein, die Deutsch als Muttersprache haben, als auch Kinder, die mit jeweils Polnisch, Tschechisch oder Sorbisch als Muttersprache haben. Interessant wäre es, wenn eine Kooperation mit einer Partnereinrichtung in Polen und Tschechien genutzt oder aufgebaut werden würde. Die wöchentlichen Erzählstunden sollen jeweils von zwei Erzählern zweisprachig gestaltet werden, wobei es nicht darum geht, dass die Texte in die andere Sprache übersetzt werden, sondern es soll vielmehr in beiden Sprachen fortlaufend und abwechselnd erzählt werden. Die Kinder werden so mit der Sprache des anderen, mit ihrer Sprachmelodie, ihrem Rhythmus, ihrer Lautbildung und Artikulation vertraut. Durch gezielte Wiederholungen inhaltlicher Passagen oder von Zitaten in beiden Sprachen, durch das Nachsprechen einzelner Wörter (zum Beispiel bei Kettengeschichten), die Verwendung von Internationalismen sowie die Einbeziehung kleinerer Requisiten, einzelner Kleidungsstücke und insbesondere durch Gestik und Mimik sowie plastischer Erzählweise wird das Verstehen der Geschichten ermöglicht. Die Kinder erleben darüber hinaus die Sprache der Anderen mit der Zeit nicht mehr als ungewohnt und fremd. Das fordert die Konzentration und die Fantasien der Kinder heraus. Sie sollen später aktiv in das mehrsprachige Erzählen einbezogen werden und selbst kleine Geschichten erzählen oder angefangene Geschichte zu Ende erzählen. Die Schauspielerin und Erzählerin Nicola Hübsch aus Freiburg im Breisgau, die seit vielen Jahren auf diese Weise mit Kindern mehrsprachig arbeitet, hat unsere Erzähler intensiv auf die pädagogische, die methodische und die künstlerische Spezifik des Erzählens vorbereitet. Sie wird das Erzählprojekt auch als Mentorin weiter begleiten. Laufzeit des Vorhabens: Ende Oktober bis Dezember 2016 Ulf Großmann Netzwerkstelle Kulturelle Bildung im Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien EINFACH.THEATER • JULE RICHTER Adresse: Eschenstraße 4 • 01097 Dresden Telefon: 0351 - 20 92 07 64 E-Mail: mail@jule-richter.de Website: www.jule-richter.de

4. SEMINAR „KULTURELLE UND PRAXISNAH: KÜNSTLERISCHE PRAKTIKEN IN DER KULTURELLEN BILDUNG IM FRÜHKINDLICHEN BEREICH"– EIN KÜNSTLERISCH-PÄDAGOGISCHES NETZWERKTREFFEN EIN PAAR VERSE AUS DER KITA GUMMISTIEFELCHEN Von Minute zu Minute – eins, zwei, drei – das Lernen und Sprechen ist nie vorbei! Workshop Tanz mit Tanzpädagogin Alexandra Wagner Seit fünf Jahren ist Kulturelle Bildung im frühkindlichen und im Grundschulbereich ein Schwerpunktthema der Arbeit der Netzwerkstelle Kulturelle Bildung im Kulturraum. Die Fachtage und Seminare und die zahlreichen Projekte in Kitas und Grundschulen haben zu vielen, neuen Erkenntnissen geführt und einen umfangreichen Erfahrungsschatz angereichert. Der Fokus des diesjährigen Seminars, das am 29. Oktober 2016 im Sorbischen National Ensemble Bautzen stattfand, lag auf dem „ERZÄHLEN als ein Schatz für die Zukunft!“. Das Erzählen hat in der Geschichte der Menschheit eine lange Tradition. Bevor Sprache verschriftlicht wurde, sind über viele tausend Jahre Legenden, Mythen und kollektive Erinnerungen mündlich weitergegeben worden. Das geschah nicht nur wortgebunden, sondern auch mit Gesten und mit Mimik, mit Tönen, Geräuschen, Rhythmen und Bildern, mit Liedern und mit Tänzen. Begonnen hat das Seminar mit einem wahren Feuerwerk aus Worten, Gesten, Geräuschen und mit viel Emotionalität, als die Erzählerin Nikola Hübsch in die wunderbaren und vielfältigen Spielarten des Erzählens als Beiträge zur Sprachbildung und Sprechförderung einführte. Die Teilnehmer haben sich dann dem großen Themenfeld des Erzählens in drei Workshops genähert 1. Erzählen-Hören-Weitergeben: Das Erzählen – eine wieder zu entdeckende Kulturtechnik mit Jule Richter aus Dresden als Workshopleiterin 2. Erzählen mit Liedern: Förderung von Sprache und Kreativität beim Singen und Gestalten von Liedern mit der Gruppe „Leichtfuß und Liederliesel“ aus Bautzen 3. Tanz ist Körpersprache: Erzählen ohne Worte mit der Tanzpädagogin Alexandra Wagner aus Bautzen Die Seminarteilnehmer waren fasziniert von den reichen Möglichkeiten, in die Wunderwelt des verbalen und des nonverbalen Erzählens einzutauchen und soziale Interaktion zu erleben. So ein Tag in der Kita ist interessant. Wir lernen ganz viel und sind gespannt. Jedes Kind ist anders, wie wir alle auf Erden, wir lernen trotzdem, Freunde zu werden. Wir lernen, ein Gespräch nicht immer zu stören, auch mal etwas länger zuzuhören. Ob über Freude oder Kummer und Groll – wir erzählen uns alles und das ist toll. Wir beobachten, wie es andere machen und werden neugierig bei ganz vielen Sachen. Wir wollen auch oft allein überlegen: „Wie könnte man dies und jenes bewegen?“ Viel Geduld brauchen wir, empfiehlt uns der Bernd und schon haben wir wieder dazugelernt. Auch wenn wir so manchen Fehler machen, wir lernen daraus und können dann lachen. Wir erzählen munter tagein und tagaus beim Malen und Spielen im Puppenhaus. Mal nichts tun und träumen ist auch gesund, dann kommen die Ideen, sie sind kunterbunt. Mit Geschichten erzählen und mit dem Singen können wir die schönsten Stunden verbringen. Wenn Mutti am Bett mich abends fragt, bevor Sie „Gut’ Nacht“ und „Schlaf schön“ sagt: „Was hast du heute Schönes tagsüber erlebt?“, erzähl’ ich ihr alles, was mich so bewegt. Ich muss die Erlebnisse erst richtig sortieren und träume im Schlaf, „was wird morgen passieren?“ Aber eine Gute-Nacht-Geschichte vorher, DIE MUSS SEIN, dann schlafe ich immer besser ein. Mutti hat dann für mich nur Zeit und ich genieße unsere Zweisamkeit. Evi Hötzel (Bienengruppe) NETZWERKSTELLE KULTURELLE BILDUNG • ULF GROSSMANN Mobil: 0152 - 22 67 27 72 E-Mail: kulturelle-bildung@freenet.de Website: www.kulturellebildung-ol.de 11

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