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12. Ausgabe - Zeit(ung) für Kinder

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Erscheinungsdatum: 12/2016

SEHR GEEHRTE LESER,

SEHR GEEHRTE LESER, LIEBE KINDER, „Eine gut erzählte Geschichte macht aus den Ohren Augen.“ Chinesisches Sprichwort Erfinder und Erzähler treffen auf aufmerksame Zuhörer in der neuen Ausgabe der „Zeit(ung) für Kinder“. Die Redaktion hat für Sie recherchiert und zeigt, warum Kinder Geschichten brauchen und Erwachsene genau hinhören sollten. Ob Vorlesen oder Erzählen: Kinder entwickeln so ihren Wortschatz und eignen sich ihre sprachliche Ausdrucksfähigkeit an. Geschichten helfen ihnen, Werte zu entwickeln sowie zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Für sie entstehen dadurch Bilder im Kopf, die ihre Fantasie anregen und sie in ihre ganz eigene spannende Welt eintauchen lassen. Für Erwachsene gilt es genau hinzuhören und sich Zeit zum Zuhören zu nehmen, denn Kinder haben viel zu sagen. Sie geben uns durch ihre verbalen Äußerungen einen Einblick in ihr Denken, ihre Gefühle, ihre Probleme, ihre Wünsche, ihre Ängste und ihre Erlebnisse. Spitzen wir nun unsere Ohren und lauschen den großen und kleinen Geschichtenerzählern! Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihr Bernd Lange, Landrat Landkreise Görlitz FABELHAFT Das Eichhörnchen und der Mauersegler. . . . . . 3 WORTWÖRTLICH . . . . . . . . . . . . .4 PRAXISNAH Erzählen und erzählen lassen!. . . . . . . . . . . 5 KÜNSTLERISCH & KREATIV Original und Fälschung. . . . . . . . . . . . . . 6 Ausmalbild . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 AUS DEM FAMILIENALLTAG Es war einmal … beim Wandern . . . . . . . . . 7 Oma, Opa – erzählt doch mal! . . . . . . . . . . 7 WISSENSWERT Erzählfähigkeit. . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 PRAXISNAH Zeit fürs Erzählen. . . . . . . . . . . . . . . . 9 ERZÄHLEN – ein Schatz für die Zukunft . . . . 10 4. Seminar „Kulturelle und künstlerische Praktiken in der kulturellen Bildung im frühkindlichen Bereich“. . . . . . . . . . . 11 Ein paar Verse aus der KITA Gummistiefelchen. . 12 Impressum Redaktionsleitung - Ariane Archner • Entwicklungsgesellschaft Niederschlesische Oberlausitz mbH Redaktion - Mandy Berg • Landkreis Görlitz, Mitarbeiterin Kultursekretariat - Nicole Blana • Hochschule Zittau/Görlitz - Ulf Großmann • Netzwerkstelle Kulturelle Bildung, Kulturraum OL-NS - Susanne Hoffmann • Landkreis Görlitz, Büro Landrat - Joachim Mühle • Landkreis Görlitz, Kulturamt - Daniel Wiesner • Landkreis Görlitz, Jugendamt Alle Ausgaben finden Sie auch online auf www.kreis-goerlitz.de Lob, Kritik, Anregungen? Ihre Meinung ist uns wichtig! Schreiben Sie uns an zeitung-fuer-kinder@kreis-gr.de Redaktionsschluss: 15. November 2016 Layout: Ariane Archner • ENO mbH Druck: Lausitzer Druckhaus GmbH Auflage: 10.000 Exemplare Alle in dieser Ausgabe verwendeten Personenbezeichnungen gelten generell für beide Geschlechter und sind nicht diskriminierend zu verstehen. Bildnachweise Titel - Kita „Gummistiefelchen“ Seite 3 - Ramona Kliemt Seite 4 - © fotoschab / Fotolia.com Seite 5 - Kita „Gummistiefelchen“ Seite 6 - Ramona Kliemt Seite 9 - Nikola Hübsch Seite 10 - Jule Richter Seite 11 - Ulf Großmann Grafiken - © snyGGG / Fotolia.com Literaturquelle zum Artikel Seite 8 Schelten-Cornish, S. (2008): Förderung der kindlichen Erzählfähigkeit. Geschichten erzählen mit Übungen und Spielen. Idstein: Schulz-Kirchner Verlag. 2

FABELHAFT: DAS EICHHÖRNCHEN UND DER MAUERSEGLER Das Eichhörnchen saß gemeinsam mit einem schwarzen Vögelchen bei einer Haselnuss direkt vor seinem Kobel und spitzte seine Ohren. Die beiden hatten sich gerade kennengelernt und der Vogel berichtete aus seinem Leben: „Meine Heimat ist in Deutschland. Aber ich reise sehr gerne. Fast das ganze Jahr bin ich unterwegs. Um noch genauer zu sein: Beinahe mein ganzes Leben verbringe ich in der Luft. Ich fresse im Flug und auch wenn es verwunderlich klingen mag: ich kann beim Fliegen auch schlafen.“ „Was bist du denn für einer? Wie soll das denn funktionieren?“, staunte das Eichhörnchen. „Na, ich bin ein Mauersegler. Mein Körper ist für das Fliegen gebaut. Schau doch mal: ich bin klein, schmal und leicht, habe breite Flügel und dazu noch ganz glatte Federn. Ich liebe es, zu fliegen. Und daher fällt es mir auch nicht schwer, bis nach Afrika zu reisen. Du glaubst gar nicht, was ich schon alles gesehen habe.“ „Stopp, stopp, stopp! Wo ist denn Afrika? Und was hast du denn alles gesehen?“, fragte das Eichhörnchen. Mit einem Lächeln erzählte der Vogel: „Lehn dich mal zurück und hör gut zu. Afrika ist ein Kontinent. Er ist gaaanz weit entfernt. Ich fliege ungefähr ein halbes Jahr bis dahin. Auf meiner Reise begegnen mir die interessantesten Tiere. Einmal habe ich mit meinen Freunden eine Pause gemacht – auf einem Baum in der Savanne. Plötzlich stupste mich eine riesige Nase von hinten an. Erschrocken drehte ich mich um und da schaute mich plötzlich ein braungelber Kopf an mit sooo großen Nasenlöchern, einer riiiesigen Zunge und Ohren, die größer als ich waren.“ Der Mauersegler fuchtelte mit seinen Flügeln in der Luft herum und erzählte aufgeregt weiter: „Ich blickte nach unten: an dem Kopf hing ein langer Hals und vier stakselige Beine. Ich war drauf und dran, loszufliegen. Da sprach der Braungelbe plötzlich: ‚Halt. Halt. Bitte hilf mir. Ich brauche deine Hilfe.‘ Ich zitterte am ganzen Körper und stotterte, was er nur von mir wolle. Im Hintergrund legten sich bereits drei Hyänen auf die Lauer, um den Langhals zu jagen. Meine Freunde und ich erkannten schnell, dass er wirklich unsere Hilfe brauchte. Der Langhals stellte sich schnell vor. Er hieß Gustav und war angeblich ein kleines Giraffenkind, das seine Familie verloren hatte. ‚Bitte lenkt die Hyänen ab, damit ich schnell von hier verschwinden kann‘, flehte er. Ohne viel Zeit zu verlieren, fassten wir all unseren Mut und flogen in Richtung der gefräßigen Hyänen. Mein Herz pochte so laut, dass ich glaubte, unsere Feinde würden das hören. Meine Freunde und ich pickten ihnen in die Ohren, flogen um sie herum und gaben den lautesten Lärm von uns, den wir jemals gemacht haben. Im Hintergrund sah ich den Langhals verschwinden.“ Der Mauersegler bekam beim Erzählen ganz große Augen und wurde immer lauter. Das Eichhörnchen staunte mit ebenso großen Augen und hielt die Luft an. Sie saßen noch lange beisammen und berichteten sich von ihren Erlebnissen. Wieder hatte das Eichhörnchen einen neuen Freund gefunden. Einen, der sehr gut erzählen kann. Theresa Huste Absolventin der Hochschule Zittau/Görlitz Überlege, was der Mauersegler wohl noch alles auf seinem Flug um die Welt gesehen haben könnte und erzähle es deinen Freunden oder deiner Familie. Achtung, fertig, los und ausmalen! 3

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