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Auswertung der Befragung

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Auswertung der Befragung von Schülern an Förder- und Oberschulen des Landkreises Görlitz zur Berufsorientierung, Berufswahl und beruflichen Zukunft

Etwas differenzierter

Etwas differenzierter sieht es beim Vergleich nach sozialer Herkunft aus. Obwohl die Jugendlichen aus Familien mit Arbeitslosigkeit in allen Bereichen die regionale und ihre persönliche Situation schlechter beurteilen, wollen sie zumeist in der Region bleiben. Aus der Gruppe der Schüler mit Eltern, die beide arbeitslos sind, geben fast 58 Prozent an, hierbleiben zu wollen. Allerdings will diese Gruppe auch häufiger die Region verlassen als Jugendliche, deren Eltern arbeiten. Dies begründet sich damit, dass die Gruppe der Jugendlichen, deren Eltern beide erwerbstätig sind, aufgrund ihrer scheinbar besseren Startvoraussetzungen mehr Optionen besitzen und damit fast 42 Prozent von ihnen noch nicht wissen, ob sie bleiben oder gehen. Abbildung 44: Verbleib in der Region, Vergleich nach sozialer Herkunft, Angaben in % V. FAZIT UND HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN ERFOLGREICHEN WEG FORTSETZEN Die Berufsorientierung im Landkreis Görlitz befindet sich insgesamt auf einem guten Weg und funktioniert. Die befragten Schülerinnen und Schüler kennen und nutzen die Angebote, die im Landkreis angeboten werden. Wie nicht anders zu erwarten war, werden praktische Angebote, bei denen man sich ausprobieren kann und in Kontakt mit Unternehmen kommt, als besonders hilfreich bei der Berufswahlentscheidung eingeschätzt – das Praktikum ist dabei die unangefochtene Nummer eins auf der Hitliste der hilfreichen Angebote. Optimistisch stimmt auch, dass mehr als die Hälfte der Zehntklässler für Ausbildung/Studium in der Region bleiben will. Auf die Zeit nach der Schule und die Berufswahlentscheidung fühlen sich über 60 Prozent gut vorbereitet. Mit steigender Klassenstufe nimmt die Unsicherheit immer weiter ab. In Klassenstufe 10 sagen nur noch 7%, dass sie nicht wissen, was sie nach der Schule machen wollen. Die INSIDER-Produkte des Landkreises kommen gut an und sind etabliert. Der Ausbildungsatlas wird an allen Schulen eingesetzt, ebenso wie der Messe-INSIDER und der Online-INISDER. Die Bekanntheit der Ausbildungsmesse liegt in Klassenstufe 10 bei nahezu 90 Prozent. Weil diese Produkte zielgruppengerecht und anschaulich Lust aufs Hierbleiben machen, sollte auch in Zukunft an diesen festgehalten werden. BERUFSPRAKTIKA WEITER FÖRDERN UND BESSER INFORMIEREN Die Ergebnisse zeigen, dass praktische Elemente der Berufs- und Studienorientierung für Schülerinnen und Schüler die größten Effekte bringen. Gleichzeitig wünschen sich in Klassenstufe 9 fast die Hälfte der Jugendlichen zusätzliche Informationen über Praktikumsbetriebe. Als Instrumente eignen sich dafür der „Online- INSIDER“ als ganzjähriges Recherchewerkzeug sowie die Ausbildungsmesse INSIDERTREFF, in den sich eine 30

Praktikumsbörse integrieren lässt. Um die praktischen Anteile zu erhöhen, ist zu prüfen, ob die an einzelnen Schulen im Landkreis bereits seit 2008 erfolgreich durchgeführten „Praxistage in der Wirtschaft“ ausgedehnt werden können. Weitere Schulen und Unternehmen lassen sich im Rahmen von Fachveranstaltungen über die praktische Umsetzung informieren, so dass sich ein Know-how-Transfer etabliert. Vorteil der „Praxistage“: Die Schülerinnen und Schüler in Klassenstufe 9 absolvieren nicht nur ein Blockpraktikum in einem Unternehmen. Sie lernen verteilt auf das gesamte Schuljahr bis zu drei Betriebe und damit auch bis zu drei unterschiedliche Berufe kennen. Außerdem erhalten sie einen nachhaltigeren Einblick in die Arbeits- und Unternehmenswelt, da sie ein gesamtes Schuljahr damit in Berührung kommen. Für den Praxistag steht aller zwei Wochen ein kompletter Schultag zur Verfügung. Da die praktischen Erfahrungen für die Berufswahl der Jugendlichen von entscheidender Bedeutung sind, sollten diese so früh wie möglich stattfinden. In Klasse 6/7 können die Berufsschulzentren oder Werkstätten von Trägern im geschützten Raum dabei unterstützen. Ab Klasse 8 sollte eine betriebliche Ausrichtung folgen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Betriebspraktikum, das sich noch stärker als bisher an den Berufswünschen der Schülerinnen und Schüler orientieren und qualitativ anspruchsvoll gestaltet werden sollte – auch im Nachgang von schulischer Seite. Ergänzt werden die betrieblichen Angebote durch Ferienarbeit, „Schau rein! Woche der offenen Unternehmen“, den „Girls‘ & Boys‘Day“ sowie regionalspezifische Aktionen wie die Zittauer „Spätschicht“. IMAGE DER DUALEN AUSBILDUNG VERBESSERN Ausbildungsbetriebe stehen in direkter Konkurrenz zu anderen Lernorten. Insbesondere weiterführende Schulbildung (Fachabitur) und schulische Ausbildung (speziell die Bereiche Gesundheit und Erziehung sind hier relevant) sorgen dafür, dass nur rund ein Drittel der befragten Jugendlichen eine duale Ausbildung absolvieren möchte. Um zu erfassen, welche Wege die Absolventen der Beruflichen Gymnasien/Fachoberschulen einschlagen, wäre eine Befragung dieses Sektors sinnvoll. Für die Fachkräftesicherung in den Unternehmen bedeutet dieses Ergebnis, dass insgesamt das Image der dualen Ausbildung gestärkt werden muss. Die zur Verfügung stehenden Instrumente INSIDER, Online-INSIDER und INSIDERTREFF lassen sich dafür nutzen. Weitere Elemente sind denkbar, wie etwa ein Ausbildungs-Mobil, das während des gesamten Schuljahres über die Vorzüge der dualen Ausbildung informiert. Entsprechende Initiativen sollten aber in erster Linie von den Unternehmen bzw. deren Interessenvertretungen ausgehen. Es ist nicht Aufgabe des Landkreises Görlitz eine Ausbildungsform bevorzugt zu bewerben. Zumal weite Teile der schulischen Ausbildungen sowie der weiterführenden Schulbildung an Einrichtungen des Landkreises Görlitz laufen und für den Bestand von Bildungseinrichtungen (speziell der Beruflichen Schulzentren) einen wichtigen Beitrag leisten. Für die Sicherstellung des qualifizierten Fachkräftenachwuchses im Landkreis Görlitz ist es dennoch unabdingbar, dass Einigkeit über die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung herrscht. Die Berufsausbildung muss als echte Alternative zu Abitur und Studium in der Gesellschaft verankert sein. Voraussetzung sind Berufsschulen, die personell und sächlich so ausgestattet sind, dass sie die Ausbildung im Betrieb professionell unterstützen und ergänzen können. Durch Zusatzangebote zum Erwerb der Fachhochschulreife parallel zur Ausbildung und weiterer bedarfsgerechter Zusatzqualifikationen an den Berufsschulen können vermehrt leistungsstarke Jugendliche für die duale Ausbildung gewonnen werden. Unternehmen müssen diese Möglichkeiten kennen, anbieten und vermarkten. BETRIEBE BEIM AUSBILDUNGSMARKETING UNTERSTÜTZEN Soll die duale Ausbildung ein besseres Image bekommen, ist es nötig, die Betriebe bei ihrer Außendarstellung und der Ausgestaltung von praktischen Angeboten zu unterstützen. Die Erlebnisse, die Schülerinnen und Schüler beim Zusammentreffen mit Unternehmensvertretern erhalten, die Einblicke, die sie bei Praktika gewinnen, die Informationen, die ihnen Stellenangebote vermitteln – all das sind wichtige Bausteine auf einem langen Weg der Entscheidung. Am Ende beantwortet jeder Schüler und jede Schülerin ganz individuell für sich die Frage: Gehe ich zu einer Ausbildung in diesen Betrieb? Das heißt: Ob eine duale Ausbildung für Jugendliche in Frage kommt, hängt in allererster Linie von den handelnden Akteuren in den Ausbildungsbetrieben ab. Hier sehen wir weiterhin erheblichen Unterstützungsbedarf für die Unternehmen. Sowohl bei der zielgruppengerechten Außendarstellung und Kommunikation als auch bei der Öffnung für Schülerinnen und Schüler so- 31

Jugend / Bildung