Aufrufe
vor 3 Jahren

Chronik der Naturschutzarbeit (Band II)

  • Text
  • Chronik
  • Tiere
  • Pflanzen
  • Naturschutzarbeit
  • Natur
  • Naturschutz
  • Landkreis
  • Naturschutzhelfer
Naturschutzarbeit im Niederschlesischen Oberlausitzkreis (NOL)

• • • • • •

• • • • • • • • • • • • • • • • • • Naturschutzarbeit • • • • • • • • • • • • • nach • • • 1989 • • • • • • • • Auf dem Weg Plötzlich und unerwartet trat die Wende ein. Denn was sind schon ein paar Wochen nach dem … na, seit wann eigentlich? War es im Oktober oder im November, war es schon die Ausreisewelle vor den Schulferien1989 oder gar der Antritt Gorbatschows vor fünf Jahren? Ich meine, es hatte alles miteinander etwas zu tun, wurde allerdings vielen unter uns erst nach der Wende voll bewusst. Da hatten im Untergrund schon seit Jahren – vielleicht seit 1985 intensiver als vorher – einzelne Leute und Gruppen relativ unsystematisch versucht, im starren System des real existierenden Sozialismus der DDR für Mensch und Natur zu arbeiten. Das spielte sich zum größten Teil in Kirchgemeinden ab, wo noch das meiste erlaubt war. Allerdings nur innerhalb der kirchlichen Räume im weitesten Sinn. Der Raum Görlitz hob sich da nicht besonders positiv oder negativ ab. Aber ich meine, das Ministerium für Staatssicherheit hatte wohl mit den hiesigen Umweltschützern wenig Arbeit. Sie taten das, was möglich war, ohne in Konflikt zu geraten. Einzelne hervorstechende Personen, wie Pfarrer Liebig in Deutsch-Ossig, durchlebten die Schwierigkeiten mehr mit den offiziellen Behörden. Und die waren recht hartnäckig. Man hätte viele dicke Felle gebraucht, um eiskalt die heute normalen, legitimen Forderungen durchzusetzen. Auch der „restliche Teil“ der Lausitz trat am deutlichsten mit den Aktionen um Klitten in Erscheinung und blieb ansonsten relativ blass, soweit ich das beurteilen kann. Aber viel mehr war eben auch nicht möglich. Die Formulierung im Artikel 15 der noch gültigen Verfassung der DDR war wohldurchdacht. Umwelt und Naturschutz waren danach Sache der Gesellschaft und erst „darüber hinaus a u c h Sache jeden Bürgers“. Um daraus keine unbequemen Aktivitäten zu ermöglichen, wurden Forschungsergebnisse und Daten vor dieser Art „Bürger“ geheim gehalten. Welchen Nutzen das haben sollte, kann und konnte noch nie ein Mensch beantworten, jedenfalls nicht mir. So wucherte die Dornröschenhecke fröhlich um manche schlummernde Initiative. … Herbstrevolution: Ein Paukenschlag donnert dem anderen nach. Es kracht im Geäst und Gebälk. Die Hecke wird niedergewalzt und hervor tritt… nun ja, nicht gerade ein strahlendes Königsschloss. Nein, plötzlich sehen es alle: Es liegt fast alles im Argen, was die Umweltsituation in unseren Breiten ausmacht. Die Umweltschützer kriechen aus den Winkeln, besorgte Bürger stellen Fragen, die so plötzlich gar niemand beantworten kann. Es räkelt sich, streckt sich und lebt: Das Umweltbewusstsein … Zitat: Friedrich Rothe, Redakteur SÖS, Umweltzeitung für die Lausitz Nr. 1 April 1990 (Auszug) 97

1989 Aufgaben und Probleme des Naturschutzes im Kreis Weißwasser Dr. Fritz Brozio, UNB Weißwasser 1989: Naturschutz versteht sich heute als die Gesamtheit aller gesellschaftlichen Maßnahmen zur Erhaltung der Arten- und Formenmannigfaltigkeit der lebenden Natur. Mit dieser Zielorientierung schafft der Naturschutz entscheidende Voraussetzungen zur nachhaltigen Sicherung der biologischen Stabilität aller langlebigen natürlichen, naturnah gesteuerten und voll anthropogenen Ökosysteme. Unsere aktuellen Aufgaben müssen wir deshalb aus der Dokumentation über die Bestandsentwicklung aller Arten der heimischen Organismenwelt (Pflanzen, Tiere, Pilze, Mikroorganismen) ableiten, aus den Erkenntnissen über die Ursachen, die zur Veränderung im Artbestand führen und aus den Möglichkeiten, unerwünschten Entwicklungen entgegen zu wirken und zu begegnen. Diese Notwendigkeit besteht heute weltweit und gilt ohne Abstriche für unser, durch den Bergbau, die Industrie und Landwirtschaft noch beanspruchten Gebietes des Kreises Weißwasser. (Über 60 % des Territoriums sind Bergbauschutzgebiet und die Immission durch örtliche und umliegende Industrie des Bezirkes ist beträchtlich!) Unter diesen Bedingungenkonzentriert sich unsere Naturschutzarbeit auf 3 Schwerpunkte: 1. Konsequente Sicherung aller vom Bergbau nicht unmittelbar betroffenen Schutzobjekte (NSG, FND, ND, bedeutsame Vorkommen geschützter Arten) und ökologisch wertvoller Objekte (siehe dazu die Naturschutzverordnung v. 18.5.89). 2. Auswahl und ökologische Aufwertung von Landschaften im Umfeld künftiger Bergbaufolgelandschaften, die für die Wiederbesiedlung ehemals devastierter Flächen von Bedeutung sein können. 3. Projektierung und Einrichtung neuer Schutzobjekte (Naturschutzgebiete, Schutzgehölze, Feuchtgebiete u. ä.) in der künftigen Bergbaufolgelandschaft. Zur Erfüllung dieser Aufgaben wurde in den zurückliegenden 2 Jahren in enger Zusammenarbeit mit dem ILN, Zweigstelle Potsdam (Dr. Großer), eine Konzeption zur Naturschutzarbeit im Kreis Weißwasser erarbeitet. Die dabei zu leistende Naturschutzarbeit folgt einer langfristig gültigen Strategie und vollzieht sich unter den erwähnten erschwerten Bedingungen. Sie muss unter staatlicher Leitung stehen, alle Betriebe des Territoriums einbeziehen und die aktive Mitarbeit der gesellschaftlichen Organisationen haben (KB – GNU). Parallel mit der Erarbeitung der Konzeption gingen wir an die Erfüllung erster Aufgaben durch die Fach- und Interessengruppen. Die Floristen erfassten und erfassen gegenwärtig die Vorkommen von seltenen, geschützten Pflanzen der Kategorie a-c der Naturschutzverordnung von 1984 und weiterer bedeutender Arten im Kreisgebiet. Diese Daten wurden mit dem Computer aufbereitet, Artkartei und Verbreitung stehen jederzeit zur Verfügung. Probleme ergeben sich gegenwärtig durch die Verwendung neuer topografischer Karten, sie stimmen mit den alten MTB nicht überein. Außerdem unterstützen diese Bundesfreunde die Arbeit der anderen FG, wenn es um die genaue Erfassung von Lebensräumen, der Beziehungen zwischen Tier und Pflanze geht. Besondere Verdienste haben sich dabei die Bundesfreunde E. Dahlke (jahrzehntelange Erfassung von Daten) und Dr. D. Matterne (Computerarbeit) erworben. Die Entomologen haben bisher ausgewählte Gruppen der Hexapoden in den NSG untersucht. Diese Ergebnisse liegen in einer Dokumentation vor und sind in der NSG-Kartei des ILN erfasst. Während dieser Freilandarbeit konnten auch weitere Daten zur Lebensweise seltener Arten ermittelt werden, wie z. B. zu 2 Bläulingsarten im NSG „Altes Schleifer Teichgebiet.“ 98

Jugend / Bildung