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Chronik der Naturschutzarbeit (Band II)

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Naturschutzarbeit im Niederschlesischen Oberlausitzkreis (NOL)

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• • • • • • • • • • • • • • • • • • Naturschutzarbeit • • • • • • • • • • • • • nach • • • 1989 • • • • • • • • Stimulation. Sie dient seit 1985 der Sammlung faunistischer Daten in Form von Jahresberichten und koordiniert in ihrem Bereich zentrale Vorhaben, wie Wasservogelzählungen, Erfassung der Bestände ausgewählter Arten (z. B. Kormoran, Graureiher, Gänse) und die Durchführung von Brutvogelkartierungen (DDR-Messtischblattkartierung 1978–1982/1983, 1-km²-Brutvogelkartierung im Biosphärenreservat 1992–1994, MTB-Quadranten-Kartierung der Brutvögel Sachsens 1993–1995/96). Von Beginn an trat die Fachgruppe für die Belange des Naturschutzes ein. Nach Walter Tschierschke waren die nachfolgenden Kreisnaturschutzbeauftragten auch Mitglieder der Fachgruppe. Die Mehrzahl der Mitglieder arbeitete andererseits auch als Naturschutzhelfer mit, so dass es niemals zum Auseinanderdriften der Absichten und Kapazitäten zwischen Naturschutz und Fachgruppe kam. Neben Aufgaben des rein praktischen Naturschutzes, über die nachfolgend Werner Klauke berichten wird, befassten wir uns von Anfang an auch mit konzeptionellen Fragen des Naturschutzes. Schon 1959 sahen wir uns veranlasst, aufgrund der Intensivierungsmaßnahmen der Binnenfischerei mit Schreiben an den damaligen Chefredakteur des „Falken“ und Mitglied des Zentralen Fachausschusses Ornithologie Kurt Gentz und die Zentrale Naturschutzverwaltung in Berlin, Schutzmaßnahmen für das Teichgebiet Niederspree zu fordern. Eine erste Unterschutzstellung erfolgte dann 1961. Auch haben wir uns, insbesondere Rudolf Krause, für den Schutz des damals noch ungeschützten Haubentauchers mit Erfolg eingesetzt. Im Verlaufe der Jahre wurde die Fachgruppe mehr und mehr in die Entscheidungsfindungen zu naturschutzrelevanten Fragen im Territorium einbezogen. Seit 1973 hatte sie z. B. einen ständigen Sitz in der kreislichen Arbeitsgruppe „Teichmelioration“, die im Zusammenhang mit den umfangreichen Intensivierungs- und Rekonstruktionsmaßnahmen in der Binnenfischerei gebildet worden war. Auf dem schmalen Grat des Kompromisses galt es dabei auf der Grundlage der von Dr. Kandler im Bezirk Dresden durchgesetzten Einteilung der Teiche in drei Bewirtschaftungsgruppen, wenigstens örtlich oder partiell die Lebensräume für Wasservögel zu erhalten. Nach 1990, unter dem Dach des NABU, erweiterten sich die Zuarbeiten und Stellungnahmen, die für diverse Baumaßnahmen, vorrangig Straßenneu- und -ausbau, aber auch für Unterschutzstellungen zu leisten waren und dann gelegentlich die Leistungskraft des Einzelnen überstiegen. Jeder, der sich mit solchen Dingen beschäftigt, weiß, wie dünn dabei Erfolge gesät sind und dass immer wieder gegen die eigene Resignation angekämpft werden muss. Nicht zuletzt glauben wir, durch die Herausgabe von Ornithologischen Jahresberichten Behörden u. a. Institutionen auch Material für naturschutzfachliche bzw. naturschutzpolitische Entscheidungen in die Hand zu geben. Überblicken wir den Zeitraum von 40 Jahren rein ornithologisch, so sind es unglaublich interessante Jahre gewesen. Wir wurden Zeugen des Verschwindens oder Seltenerwerdens von Vogelarten, was vielfach auf vom Menschen verursachte Lebensraumveränderungen zurückzuführen war. Aber auch Einwanderungen neuer und das Häufigerwerden von Arten haben uns stets beschäftigt und immer wieder zu neuem Elan verholfen. Die Folgen eines gezielten Natur- und Artenschutzes haben dazu geführt, dass Kolkrabe, Seeadler, Uhu, Höckerschwan, Flussseeschwalbe u. a. zu Brutvögeln unserer Region geworden sind. Ganz aktuell sind erste Brutnachweise von Karmingimpel, Raufußkauz, Gänsesäger und Fischadler. Mein Rat an unsere jüngeren Mitglieder lautet daher, stets auf alles gefasst zu sein, soviel wie möglich exakt zu registrieren und aufzuschreiben, auch Arten, die heutzutage vielleicht noch uninteressant erscheinen. Die Anzahl unserer aktiven und registrierten Mitglieder war allerdings stets zu gering, um das gesamte Kreisterritorium zu erfassen. Nach wie vor gibt es vernachlässigte Gebiete, die es zu erforschen gilt. Auch scheinen mir Aktivitäten naturgemäß etwas zu wasservogellastig zu sein. Schwerpunkte der Beobachtungstätigkeit waren immer die großen Teichgebiete von Kreba, Nie- 143

derspree, Ullersdorf und der Tauerwiesenteich sowie die Talsperre Quitzdorf. Nirgends aber waren wir in der Lage, personell Planbeobachtung abzusichern. So ist letztendlich kritisch zu vermerken, dass wir, auch bedingt durch den jeweils begrenzten persönlichen Zeitfonds, der für die ornithologische Forschung zur Verfügung stand und steht, nur Bruchstücke zur Kenntnis unserer heimischen Vogelwelt sammeln konnten. In einen größeren Rahmen gestellt, hoffen wir aber, dass diese Mosaiksteinchen zu einem Gesamtbild beitragen können. Eine Anzahl von Mitgliedern unserer Fachgruppe ist in der Vergangenheit und Gegenwart durch Veröffentlichung ihrer Arbeitsergebnisse und Untersuchungen in Erscheinung getreten. Insbesondere der von Dr. Gerhard CREUTZ 1968 ins Leben gerufene Avifaunistische Arbeitskreis Oberlausitz bot Gelegenheit, durch Übernahme Friedhard Förster vom Staatlichen Umweltfachamt in Bautzen gratuliert. Foto: Hans Blümel, Chronik NABU Regionalgruppe Ornithologie Niesky von Artbearbeitungen innerhalb der „Beiträge zur Ornis der Oberlausitz“ tätig zu werden und diese in den Abhandlungen und Berichten des Naturkundemuseums Görlitz zu veröffentlichen. Mit der Gründung der „Naturforschenden Gesellschaft der Oberlausitz“ im Jahre 1990 eröffneten die von ihr herausgegebenen „Berichte“ ebenfalls Möglichkeiten zur Veröffentlichung. Erinnert sei an die Erarbeitung von Artmonografien im Rahmen der „Neuen Brehm Bücherei“ durch Ulrich WOBUS über den Rothalstaucher, von Heinz HASSE über die Goldammer und Hans BLÜMEL über den Grünfink, die Rohrammer und gemeinsam mit Rudolf KRAUSE über die Schellente, die aber die Fachgruppe an sich nur tangierten. Auch in den Zeitschriften „Journal für Ornithologie“, „Ornithologische Mitteilungen“, „Der Falke“, „Beiträge zur Vogelkunde“, „Die Vogelwelt“ u. a. haben sich Mitglieder der Fachgruppe gelegentlich zu Wort gemeldet. Eine vollständige Bibliographie darüber hier geben zu wollen, verbietet jedoch die Zeit, wäre aber vielleicht einmal eine interessante Aufgabe. Die wissenschaftliche Vogelberingung beschäftigte zeitweise bis sieben Mitglieder unserer Fachgruppe. Nach einer Zeit der Stagnation nahm sie ab 1986 durch Jens TEICH wieder einen Aufschwung und lieferte so nebenbei erstaunliche faunistische Ergebnisse. Erwähnt seien die Fänge von Zwergammer, Isabellwürger, Karmingimpel und Zwergrohrdommel. Zuletzt möchte ich denjenigen danken, die in der Vergangenheit jahrzehntelang mit Schülergruppen gearbeitet und versucht haben, Gefühle für die Kenntnisse über die Natur zu vermitteln. Zu ihnen gehörten Heinz HASSE, Rudolf KRAUSE, Hans BLÜMEL und Horst BIEBERSTEIN. Es ist natürlich nicht möglich, in 20 Minuten die 40-jährige Entwicklung der Fachgruppe Ornithologie Niesky lückenlos darzustellen. Es ist ein subjektiv beeinflusster Bericht eines Fachgruppenleiters, dem diese Arbeit nicht immer leicht gefallen ist, der aber gerade in den letzten Jahren auch viel Unterstützung erfuhr. Ich danke allen, die unsere Fachgruppe in der Vergangenheit und Gegenwart durch ihre aktive Mitarbeit unterstützten. Wenn es gelingt, uns die Freude an der Natur und speziell am Vogel zu erhalten, besteht gute Aussicht, dass wir im Jahre 2008 das 50-jährige Jubiläum der Fachgruppe feiern können. Franz Menzel 144

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