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Chronik der Naturschutzarbeit (Band II)

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Naturschutzarbeit im Niederschlesischen Oberlausitzkreis (NOL)

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• • • • • • • • • • • • • • Umweltbildung • • • • • • • • • • • im • • Wandel • • • • • der • • • Zeit • • • • • • • Öffentlichkeitsarbeit und Museumspädagogik im Wandel der Zeit (Auszüge) Ein Hauptanliegen der Naturforschenden Gesellschaft zu Görlitz war die Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse. In ihren Statuten wurde ausdrücklich betont, dass man „die Resultate ihres Forschens und ihrer Arbeiten auch für andere gemeinnützig machen“ wollte. So begriff sich die Gesellschaft, dem Selbstverständnis anderer damaliger Vereine entsprechend, als eine naturkundliche Vermittlungsinstanz, die die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung für das Publikum in verständlicher Form aufbereitet. Dahinter stand die Erkenntnis, dass neben dem eigenen Publikum, d. h. den Mitgliedern, eine größere Öffentlichkeit stand, deren Informationsbedarf und Wissensdurst gestillt werden wollte. Um dieses Anliegen zu erfüllen, öffnete die Gesellschaft 1840 erstmals ihre Versammlungen auch für „Nichtmitglieder und Damen, wenn sie sich zu einem Beitrage von 1 Pfennig à Person und für Familien 2 Pfennigen (Handschrift unleserlich) verstehen wollen.“ …. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden die Sammlungen der Gesellschaft allerdings immer reichhaltiger und die Museumsräume dadurch zunehmend unübersichtlich. Ihrem „Hauptzweck“, dem gebildeten Laienpublikum zur Belehrung dienen zu können, waren die Sammlungen durch die unzweckmäßige Aufstellung und unübersichtliche Zusammendrängung fast gänzlich entzogen. Eine Neugestaltung der Sammlungen sollte diesem Problem entgegenwirken. Unter der Leitung des damaligen Kustos Dr. Hugo von Rabenau, entstand auf diesem Wege 1897 die erste eigentliche Ausstellung „Die Lausitz und ihre drei Naturreiche“. Um dem Publikum weitere Informationen zu den Exponaten bieten zu können, erschien 1911 der erste gedruckte Museumsführer. … Neben der gedruckten Fassung wurden seit Beginn des 20. Jahrhunderts auch „gesprochene“ Führungen angeboten. Von dieser Vermittlungsmethode machten anfangs vor allem Schulen, Vereine und Verbände Gebrauch. Mit der Machtergreifung der NSDAP wurde die Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit immer wichtiger. Den Museen wurde nun in erster Linie die Aufgabe zugedacht, das Volk im „nationalsozialistischen Sinne“ zu belehren und zu erziehen. Die Naturforschende Gesellschaft zu Görlitz versuchte diese Aufgabe vor allem auf dem Weg ihrer Ausstellungen zu erfüllen und gestaltete sie in den 1930er Jahren – nach den Grundsätzen eines Heimatmuseums – grundlegend aus. … Im Laufe der letzten Jahre und Jahrzehnte ist das Spektrum der öffentlichen Aktivitäten vielseitiger und größer geworden. Die heutige Öffentlichkeitsarbeit reicht von Vorträgen, Ausstellungen, Führungen und Exkursionen bis hin zu Preisverleihungen und anderen besonderen Veranstaltungen. Das Museum ist heute mehr denn je zu einem Ort der Kommunikation und kulturellen Bildung geworden. Neben den klassischen Aufgaben „Sammeln, Bewahren, Forschen“ ist die (Wissens-)Vermittlung eine zentrale Säule des Museums. Julia Hammerschmidt: 200 Jahre Naturforschende Gesellschaft und Museum für Naturkunde Görlitz 167

Wo bleibt die Jugend im ehrenamtlichen Naturschutz? Die Ehrungen für die in der ehrenamtlichen Naturschutzarbeit noch aktiven, aber älter gewordenen Naturschutzhelfer werden immer häufiger. Da macht der Niederschlesische Oberlausitzkreis keine Ausnahme. Das müsste doch allen, die in der Naturschutzarbeit eingebunden sind, reichlich zu denken geben. Dem ehrenamtlichen Naturschutzdienst fehlt der jugendliche Nachwuchs. Den braucht aber der Naturschutz dringend, wenn wir Älteren die Naturschutzarbeit einmal nicht mehr oder nur noch begrenzt ausüben können. Wer soll unsere Arbeit weiterführen? Läuft sie dann nur noch mit einer „Restpopulation“ an Ehrenamtlichen weiter so gut es eben geht, oder wird sie fast unbemerkt von der Öffentlichkeit versickern? Werden das einmal nur noch hauptberufliche Kräfte machen können, wenn durch Sparmaßnahmen im Öffentlichen Dienst ausgedünnt wird? Das ist auch ein Problem in den Naturschutzverbänden, auch dort wird das Durchschnittsalter der Mitglieder immer höher. Es hat wenig Sinn, Alleinschuldige zu suchen. Wahrscheinlich ist die Gesellschaft in ihrer heutigen Ausprägung der Grund, weshalb sich junge naturinteressierte Menschen so zurückhalten, naturschutznotwendige Leistungen in einer Gemeinschaft zu erbringen, die immer mehr dem Naturschutz gleichgültig – ja ablehnend – gegenübersteht. Eltern, Lehrer, Parteien mit ihren Jugendzusammenschlüssen, Naturschutzbehörden und natürlich auch wir ehrenamtlichen Naturschutzhelfer haben es bisher leider nicht ausreichend verstanden, diese notwendige Tätigkeit so attraktiv dazustellen und zu gestalten, dass sich genügend junge Leute dafür dauerhaft interessieren und mitmachen. Sind die über 70-jährigen Kreisnaturschutzbeauftragten für junge Leute, die sich als Naturschutzhelfer einbringen wollen, die geeigneten Ansprechpartner? Sind die Schulungen für die KNBs und Naturschutzhelfer, die sich nur mit Erkenntnisvermittlung und notwendigen Naturschutzthemen befassen und Naturnutzer in eine Ecke stellen, die abseits aller Realität ist, nachwuchsfördernd? Gewiss, mit „Fit for Fun“ ist bei unserem Naturschutzengagement wenig Staat zu machen, aber wenn junge Leute auch noch ihr z. T. geringes Taschengeld oder Einkommen einsetzen sollen, um eine gesellschaftlich notwendige Tätigkeit in der und für die Natur auszuführen, ist bei manchen die Grenze erreicht. Wir alle werden die Überalterung in der Naturschutzarbeit nicht von heute auf morgen lösen können – weil wir auch nicht wissen, wie – aber nachdenken müssen wir, uns Auswege suchen – und das möglichst bald. C. Klouda Kreisnaturschutzbeauftragter Niederschlesischer Oberlausitzkreis Quelle: Naturschutzarbeit in Sachsen, Mitteilungen 2000 168

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