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Handlungskonzept zum nachhaltigen Wirtschaften im LK GR - Langf.

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Handlungskonzept zum nachhaltigen Wirtschaften im Landkreis Görlitz - Langfassung

Nachhaltiges

Nachhaltiges Wirtschaften im Landkreis Görlitz sowie nur unterdurchschnittliche Beschäftigungsmöglichkeiten in wissensintensiven Bereichen bietet. Abbildung 12: Risiken für den Landkreis Görlitz Quelle: Statistisches Bundesamt; Statistisches Landesamt Sachsen; Ahmad & Weyh (2015); ifo (2014); Prognos (2011); RWI (2018); BBSR; Schorck et al. (2017); Dengler & Matthes (2015); Dar. imreg (2019) In der Region spiegeln sich diese Trends dahingehend wider, dass der Wanderungsgewinn des Landkreises 2015 zu 70% von der Stadt Görlitz getragen wurde. Von 2012 bis 2014, wo die Werte noch nicht durch das Anwachsen der Flüchtlingskrise beeinflusst waren, konnte die Stadt Görlitz im Gegensatz zum Landkreis oder auch der Stadt Zittau positive Wanderungsgewinne verzeichnen 69 . Dabei weist die Hochschule Zittau/Görlitz mit rund 700 Neustudenten 70 etwas weniger Studienanfänger als Hochschulberechtigte 71 im Landkreis auf. Im Wintersemester 2017/2018 verfügte fast jeder vierte Studienanfänger über einen ausländischen Pass, was etwas über dem Durchschnitt aller sächsischen Fachhochschulen lag. Insofern könnte ein Ausbau der regionalen Hochschullandschaft einer Abwanderung junger Menschen entgegenwirken bzw. Zuzüge befördern. Allerdings wurde in den Expertengesprächen darauf hingewiesen, dass dies das Problem ohne adäquate Berufschancen vor Ort zeitlich nur verschieben würde. Insofern droht der Abwanderungsdruck gerade von jungen, gut qualifizierten Menschen trotz verbesserter Arbeitsmarktlage – wenn auch abgeschwächt und unter anderen Vorzeichen – weiter anzuhalten. Die ohnehin negative Bevölkerungsentwicklung insbesondere in erwerbsfähigen Jahrgängen, die zu immer stärkeren Fachkräfteengpässen führt, verschärft dies zusätzlich. Eine Kompensation durch den erfolgten Zuzug ausländischer Personen im Kontext der seit 2015 verstärkten Flüchtlings- 69 Vgl. Statistisches Landesamt Sachsen. 70 Summierte Angaben für das Sommersemester 2017 und das Wintersemester 2017/2018. 71 2016 erreichten im Landkreis 578 Absolventen von allgemeinbildenden Schulen die allgemeine Hochschulreife. Hinzu kamen 285 Absolventen mit allgemeiner Hochschulreife oder Fachhochschulreife von berufsbildenden Schulen (Vgl. Stat. Landesamt Sachsen). 26

Nachhaltiges Wirtschaften im Landkreis Görlitz bewegungen wurde im Workshop einhellig als unrealistisch bezeichnet, was sich auch mit den bestehenden Qualifikationen und der aktuell gemessenen Arbeitsmarktfähigkeit dieser Personengruppe in Sachsen deckt 72 . Insofern müssen die Unternehmen vor Ort absehbar mit einer völlig veränderten Fachkräftesituation als noch vor ein paar Jahren umgehen. Dabei droht ein nur in Teilen kompensierbarer Wissensund Kompetenzverlust. Einen steigenden Zuzug bzw. eine stärkere Rückwanderung über ein höheres regionales Lohnniveau zu befördern, steht die noch immer wirtschaftsstrukturell bedingt unterdurchschnittliche Produktivität im Landkreis entgegen. Wenn die konkurrenzbedingten Lohnzuwächse nicht erwirtschaftet werden können, schadet dies der unternehmensseitigen Wettbewerbsfähigkeit, was zur Schließung oder Abwanderung von Firmen führt. Negative Effekte hieraus drohen dann die positiven Effekte einer möglicherwiesen steigenden örtlichen Kaufkraft zu überwiegen. So war die fehlende Verfügbarkeit von Fachkräften mit einer zu hohen Steuer- und Abgabenbelastung sowie infrastrukturellen Defiziten bereits einer der zentralen Gründe für drohende Standortverlagerungen von im Landkreis befragten Unternehmen 73 . Dieses Risiko ist gerade mit Blick auf die wirtschaftsstrukturellen Herausforderungen, vor der die Region steht, als groß zu bewerten. So leidet das Verarbeitende Gewerbe im Landkreis, das durch eine niedrigere Exportquote und einem überdurchschnittlichen Anteil an Konsumgüterproduzenten geprägt ist, unter einem sinkenden örtlichen Marktvolumen im Zuge der negativen Bevölkerungsentwicklung. Letzteres belastet natürlich auch den regionalen Handels- und Dienstleistungsbereich, was sich in abnehmenden Unternehmens- und Beschäftigtenzahlen in den Wirtschaftszweigen widerspiegelt 74 . Das Produzierende Gewerbe ist im Speziellen aber darüber hinaus durch klimapolitische Vorgaben sowie einem steigenden, zum einen innovations- und zum anderen kostengetriebenen globalisierten Standortwettbewerb konfrontiert. Im Workshop wurde zudem deutlich, dass die anwesenden Akteure die kleinteilige Zulieferstruktur mit einer hohen Abhängigkeit vom Automobilsektor als Defizit und mit Blick auf anstehende Veränderungen im Antriebsstrang vor allem auch als zunehmendes Risiko werten. Der Megatrend Globalisierung treibt seit langem den Wandel in der Weltwirtschaft an, wobei dieser vor allem durch eine engere internationale Verflechtung, sei es über den Warenaustausch oder Produktionsbeziehungen, die deutlich schneller wächst als die weltweite Warenproduktion, gekennzeichnet war 75 . Inzwischen kann vor allem bei großen Unternehmen von globalisierten Investitionsund Standortentscheidungen gesprochen werden. Deutschland steht inmitten dieses Trends. Das Bruttoanlagevermögen der deutschen Wirtschaft im Ausland stieg seit 1995 um 218%, während der inländische Kapitalstock nur um 60% zulegte. Treiber dessen ist vor allem die Industrie und hier der Fahrzeug- und Maschinenbau sowie die Elektrotechnik und Elektronik, wo es insgesamt zu einem Anstieg des ausländischen Bestands an Direktinvestitionen um rund 450% kam 76 . Gut die Hälfte der größeren deutschen Unternehmen investiert jedes Jahr im Ausland. Im Produzierenden Gewerbe 72 Vgl. Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit (2018). 73 Vgl. Kendschek et al. (2016). 74 Vgl. Bundesagentur für Arbeit (verschiedene Jg.): Beschäftigte nach WZ 75 So stieg zwischen den Jahren 1970 und 2013 das weltweite Bruttoinlandsprodukt um den Faktor 22, die Exporte um den Faktor 60, wobei es zu einer Verschiebung der globalen Wirtschaftsschwerpunkte nach Asien kam. Die Direktinvestitionen im Ausland erhöhten sich sogar um den Faktor 100. 76 Vgl. IW Consult (2015). 27

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