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Jugendbefragung 2019

4 ERGEBNISSE An dieser

4 ERGEBNISSE An dieser Stelle ein Zitat eines Teilnehmers der Befragung auf die Frage nach sonstigen Treffpunkten: „Zumindest keine, die öffentlich als Treffpunkt erdacht sind. Die schafft man sich, eben weil es so wenig davon gibt, meist selbst. Ist schwer zu definieren: in Zittau am Ring, auf Parkplätzen, Parks, beim Kumpel in der Garage, früher bei mir noch Fußballfeld / Basketballfeld, auf dem Markt, jetzt abends manchmal in einer Bar oder manchmal sogar die Spielothek. Aber das sind wie schon gesagt selbst erdachte Treffpunkte, weil es eben so wenig Alternativen gibt für junge Menschen.“ Was Jugendliche tun würden, wenn sie Bürgermeister*in wären Die Frage, was junge Menschen und Jugendliche tun würden, wenn sie Bürgermeister*in in ihrem Ort wären, erfuhr eine große Resonanz. Es ergaben sich unter allen Antworten folgende Kategorien: • ÖPNV verbessern (Strecken ausbauen, kostenlos verfügbar machen) • Digitalisierung und Modernisierung (Ausbau Mobilfunknetz, Breitbandausbau) • Attraktivität der Region (Unternehmen anwerben, Region attraktiver für Studierende machen durch mehr Freizeitangebote, Schaffen von Arbeitsplätzen) • Jugend und Politik (Einführung Jugendparlament, Jugendstadtrat, Transparenz der politischen Arbeit verschiedener Gremien gewährleisten, Umfragen und Befragungen, Gesprächsrunden, Zusammenarbeit mit Jugendclubs, für Kommunalwahlen ab 16 Jahren einsetzen) • Treffpunkte für Jugendliche schaffen (Jugendcafé, Jugendclub, ungenutzte Gebäude zur Verfügung stellen) Es steht im Vordergrund, die Gemeinden bzw. die Region insgesamt attraktiver für junge Menschen zu machen und somit auch Bleibeperspektiven zu schaffen, angefangen bei einem Ausbau des ÖPNV zur Verbesserung der Mobilität, über die Digitalisierung und Modernisierung, hin zu dem Wunsch nach mehr attraktiven Arbeitsplätzen und Freizeitangeboten. Auch, die Jugend in der Politik zu stärken, war ein großes Anliegen vieler Teilnehmer*innen, ebenso wie die Förderung von Jugendkultur, vor allem in Form von Treffpunkten für Jugendliche und junge Menschen. 36

5 INTERPRETATION DER ERGEBNISSE Im nun folgenden Punkt werden die Ergebnisse bzw. die Erkenntnisse, die besonders herausstechend sind, interpretiert. Um anschlussfähig zu bleiben, werden hier auch Bezüge zu Ergebnissen des 15. Kinder- und Jugendberichts, des 5. Sächsischen Kinder- und Jugendberichts sowie der 17. Shell Jugendstudie 2015 hergestellt. Vereinsaktivität und Partizipation Der 15. Kinder- und Jugendbericht kam für Deutschland zu der Erkenntnis, dass Jugendliche und junge Menschen des Landes sehr engagiert in Vereinen sind. Dabei gilt: je jünger desto engagierter (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) 2017., S. 238). Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren sind die am stärksten ehrenamtliche engagierte Gruppe, jeder Zweite ist dahingehend aktiv (vgl. ebd., S. 235 zitiert nach Vogel u.a. 2014, S. 98). Vor allem Vereine, Verbände, aber auch Schulen und Hochschulen sind dabei die Orte, durch die sich engagiert wird. Weiterhin übernehmen Jugendliche in Jugendverbänden auch Leitungsverantwortung und haben Entscheidungskompetenzen, organisieren gemeinsame Aktivitäten und Beteiligung und wirken in verschiedenen Themenbereichen in der Politik mit (vgl. ebda., S. 235). Dies lässt sich damit erklären, dass die Bereitschaft für Engagement besonders dann hoch ist, wenn lebensweltliche oder themenspezifische Felder behandelt und aufgegriffen werden (vgl. Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz 2018, S. 91ff.). Engagement bzw. die Nutzung von Partizipationsmöglichkeiten, auch außerhalb von Vereinen, ist besonders bei den Altersgruppen 14 bis 17 Jahre und 18 bis 21 Jahre auffällig, auch dies ließ der 15. Kinder- und Jugendbericht bereits vermuten, denn dieser kam ebenfalls zu der Feststellung, dass Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren die am stärksten ehrenamtlich engagierte Gruppe sind (vgl. BMFSFJ 2017, S. 235 zitiert nach Vogel u.a. 2014, S. 98). Weshalb bei Frauen bzw. Mädchen die Bereitschaft zu Engagement im Allgemeinen bei steigendem Alter abnimmt, wie in der Jugendbefragung festgestellt wurde, lässt sich zumindest im Ansatz durch eine Hypothese erklären, die in der 17. Shell Jugendstudie erläutert wurde: „Eine gängige Hypothese hierzu lautet, dass Frauen Machtstrukturen, die weniger durch Gemeinsamkeit und soziale Anerkennung, sondern primär durch persönliche Härte und die Fähigkeit, sich im Konkurrenzkampf durchzusetzen, gekennzeichnet sind, eher ablehnend gegenüberstehen.“ (Shell Deutschland Holding GmbH 2015, S. 161) Auch zu erkennen ist folglich, dass, je älter die Jugendlichen und jungen Menschen sind, Aktivität in Vereinen und das Engagement abnehmen. Die hier am häufigsten genannte Ursache ist Zeitmangel aufgrund anderer Verpflichtungen, die mit steigendem Alter bzw. gerade der Volljährigkeit einhergehen (z.B. Arbeitsverhältnis oder Familie). 37

Jugend / Bildung