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Schlussbericht 2014/2015

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www.nachbarsprachen-sachsen.eu

A 5d Anlage 5:

A 5d Anlage 5: Ergebnisse der Arbeitstagung am 23.06.2015 Was braucht es und was gibt es schon? 1. Bestandsanalysen Die LaNa hat in den vergangen 10 Monaten eine umfassende Bestandsanalyse erstellt aus der ein klarer Handlungsbedarf erkennbar ist. Dieser Analyse voran gegangen sind weitere Erhebungen z. B. im Rahmen des 1. Bildungsberichts im Landkreis Görlitz 2012 und einer Broschüre der mehrsprachigen Angebote in sächsischen Kitas der ERNNN 2007. Schaut man in die anderen östlichen Bundesländer so gibt es Bestandsaufnahmen der Universität Viadrina in Frankfurt/Oder und der Universität Greifswald. Diese Bestandsanalysen sind wichtige Datengrundlagen. Weitere Analysen braucht es nicht, um eine Förderung der Nachbarsprachen in den Kindertageseinrichtungen zu dokumentieren und dessen methodische Unterstützung zu legitimieren. 2. Methodik Bei der Förderung der frühkindlichen Mehrsprachigkeit gibt es einen wissenschaftlichen Konsens hinsichtlich der Anwendung der Immersionsmethode in Kitas und Schulen. Das Prinzip "Eine Person – eine Sprache" ist in Kindertageseinrichtungen dann erfolgversprechend, wenn dieses mindestens 50 % der Betreuungszeit der Kinder umfasst. Entscheidend ist die konsequente Beibehaltung der Zuordnung der jeweiligen Sprache zu einer Person. Eine grundlegende Diskussion über die bestmögliche Methode zur Förderung der Mehrsprachigkeit braucht es aus der aktuellen Wissenschaftsperspektive nicht. Eine regionale Streuung des Wissens über die Methode in den Grenzregionen und die Schaffung einer Akzeptanz dieser bei Eltern und Pädagogen/innen, erscheint dennoch weiterhin sinnvoll und nützlich. 3. Didaktik/Material Da es sich in den Kindertageseinrichtungen nicht um eine unterrichtliche Vermittlung der Sprache handelt, ist es problematisch über eine Didaktik zu diskutieren. Besser ist es eine Debatte über die richtigen Materialien zu führen. Von TANDEM Regensburg, dem DPJW, in einzelnen geförderten Projekten und von den Pädagogen/innen in kreativer Eigenentwicklung wurden bereits zahlreiche Materialien erstellt. In einem kooperativen Austausch mit den Pädagoge/innen gilt es diese zu bündeln, zu systematisieren und zuverlässig zu vervielfältigen. 4. Bildungs- und Erziehungspartnerschaften mit den Eltern Nach wie vor gibt es bei Eltern Vorbehalte gegenüber dem Erlernen der Nachbarsprache. Gründe hierfür sind fehlende eigene Spracherfahrungen und fehlende freundschaftliche Kontakte über die Grenzen hinweg. Diese in den Grenzregionen zu verankern ist eine pädagogische Aufgabe der Kitas und Schulen, indem sie Kindern und Jugendlichen kontinuierlich und über Jahre hinweg sprachliche Qualifizierung und Begegnungen ermöglichen. Das Sprachenlernen lässt sich mit einer Image-Kampagne begleiten, die von der regionalen Wirtschaft und dem Kultusministerium getragen werden sollte. Ein Bewusstseinswandel der Bevölkerung vollzieht sich erst dann, wenn die Eltern einen ökonomischen Vorteil des Sprachenlernens erkennen können und sich darüber eine wirtschaftliche Perspektive für die eigenen Kinder in der Grenzregion eröffnet. Was hindert uns daran, dass das Nachbarsprachenlernen selbstverständlich ist? • "Wir machen Mehrsprachigkeit abhängig von Projekten." Diese Aussage von Dr. Thomas Vogel auf dem Podium verdeutlicht, wie die Förderung der Mehrsprachigkeit in den vergangenen Jahren, insbesondere in den Kitas, organisiert wurde. Die Förderung der Mehrsprachigkeit muss zu einer Regelaufgabe werden, erst dann besteht die Chance darauf, dass Mehrsprachigkeit zur Selbstverständlichkeit wird.

Anlage 5: Ergebnisse der Arbeitstagung am 23.06.2015 A 5d • "Wir machen Mehrsprachigkeit abhängig von Einzelakteuren" Der Verdienst, dass es heute bereits in 65 Kitas der sächsischen Grenzregionen Sprachund Begegnungsangebote gibt, fußt auf der Initiative von Einzelakteuren. Dies führt immer wieder dazu, dass sobald eine Schlüsselperson ausscheidet, das gesamte Angebot an einem Standort zusammenbricht. Erst wenn die Kitas über ein Team von Pädagogen/innen verfügen, die das Angebot tragen, kann Kontinuität gewahrt und eine Verlässlichkeit des Angebotes hergestellt werden. • "Wir machen Mehrsprachigkeit abhängig von Finanzen" Mit Geld kann man vieles erreichen, mit guten Ideen und einem Unterstützungssystem im Hintergrund kann man das auch. Das Warten darauf, dass den Kitas in den Grenzregionen zusätzliche personelle Ressourcen für die Förderung der Nachbarsprache zur Verfügung gestellt werden, ist dem Anliegen nicht dienlich, auch wenn eine solche Förderung wünschenswert wäre. Die Kitas, die heute immersiv arbeiten, haben sich mit kreativen Lösungen selbst auf den Weg gemacht. Doch sie hatten Unterstützende im Hintergrund: den Träger und Beratungsstellen z. B. das Bildungsnetzwerk PONTES, der Tandem Regensburg. In Sachsen kann die LaNa diese Beratungsfunktion nun mit Leben füllen und helfen u. a. die allergrößte Hürde zu nehmen: die Schaffung einer Regelung für die Qualifizierung und Anerkennung der pädagogischen Abschlüsse aus den Nachbarländern Polen und Tschechien und die Integration dieser Pädagogen/innen in die sächsischen Kita-Teams. Empfehlungen für die Arbeit der LaNa Die Arbeitstagung bot Gelegenheit fachliche und praktische Perspektiven für die Förderung der Nachbarsprachen aufzunehmen. Deutlich wurde, dass es folgende Voraussetzungen in den sächsischen Grenzregionen braucht, damit Mehrsprachigkeit zur Selbstverständlichkeit wird: • nachbarsprachliche Kompetenz in den Kita-Teams, sowie qualifizierte und anerkannte Fachkräfte, • eine interkulturelle und nachbarsprachliche Qualifizierung in der Ausbildung (z. B. ein binationaler und bilingualer Ausbildungsgang, der Doppelabschlüsse ermöglicht), • die Bündelung und Bereitstellung von Materialien für die Umsetzung der Immersionsmethode, • die weitere Wissensvermittlung zur Immersionsmethode, • eine von der regionalen Wirtschaft und dem Kultusministerium getragene Image- Kampagne, • einen festen Rahmen für Austauschprojekte, • Flexibilität und die Entwicklung kreativer Ideen beim Einsatz der muttersprachlichen Pädagogen in den Kitas, • eine Anlaufstelle für die Pädagogen/innen bei Fragen der Umsetzung der nachbarsprachigen Bildung (Antragsberatung, Wissen über Förderprogramme, Vermittlung von Muttersprachlern, fachliche Qualifizierungen), • einen regelmäßigen Erfahrungsaustausch der Pädagogen durch Bildungskonferenzen und Hospitationen, • einen Dialog am Übergang von der Kita zur Grundschule und darüber hinaus.

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