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Schlussbericht 2014/2015

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www.nachbarsprachen-sachsen.eu

7 2 Ausgangssituation

7 2 Ausgangssituation Die nachfolgend überblickshaft beschriebenen Aspekte zum Stand der frühen nachbarsprachigen Bildung in Sachsen bildeten den Ausgangspunkt für die Konzipierung der Bestandsaufnahme in den Kitas der sächsischen Grenzregionen. Die Darstellung beruht in erster Linie auf den langjährigen Erfahrungen in der Arbeit der Lernenden Region PONTES (2002–2014) sowie auf Recherchen und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Vielmehr dient sie dazu, die Vielschichtigkeit der Thematik und die vielfältigen bereits vorhandenen Potenziale ebenso wie Ansatzpunkte für die Systematisierung und Weiterentwicklung aufzuzeigen. 2.1 Nachbarsprachige Arbeit in den Kitas und Grundschulen In den Grenzregionen des Freistaates Sachsen zu seinen Nachbarstaaten Republik Polen und Tschechische Republik gibt es bereits seit Mitte der 90er Jahre einzelne Initiativen in Kitas und Grundschulen, die sich der Vermittlung der Nachbarsprachen in der frühen Kindheit zuwenden. Mit viel ehrenamtlichem Engagement und mit Blick auf die Chancen, die sich in der Grenzregion aus der Vermittlung von interkulturellen und nachbarsprachlichen Kompetenzen ergeben, haben Eltern, Erzieher/innen und Grundschullehrer/innen hier vielfältige Angebote der frühen nachbarsprachigen Bildung initiiert. Folgende Ansätze der Nachbarsprachvermittlung in den Kindertageseinrichtungen existieren bereits: • regelmäßig stattfindende (spielerische) Sprachkurse, • alltagsintegrierte Sprachvermittlung (Benennung einzelner Gegenstände, Aktionen, Lieder), • regelmäßige interkulturelle Begegnungen mit Kindern des Nachbarlandes, • (teil-)immersive Arbeit durch Einsatz von Muttersprachlern/innen in Form von Praktikanten/innen, Sprachassistenten/innen oder befristet beschäftigten Honorarkräften bis hin zu fest eingestellten Muttersprachlern/innen in Ersatz einer deutschsprachigen pädagogischen Fachkraft (in Einzelfällen). Folgende Formen der Nachbarsprachvermittlung in den Grundschulen gibt es: • Nachbarsprachunterricht ab Klasse 1 an einzelnen Schulen auf Grundlage des Lehrplans „Intensives Sprachenlernen Französisch, Polnisch, Tschechisch“, • Tschechisch- und Polnisch-Unterricht im AG-Bereich, • Tschechisch- und Polnisch-Unterricht im Ganztagsschulangebot, • Interkulturelle Begegnungen im Rahmen von Schulpartnerschaften. Systematische Kooperationen zwischen Kitas und Grundschulen zur kontinuierlichen Weiterentwicklung der in der Kita erworbenen nachbarsprachlichen und interkulturellen Kompetenzen der Kinder am Übergang in die Grundschule sind dabei selten. Ebenso finden erst nach und nach Fragen der Dokumentation und Anerkennung erworbener Kompetenzen in

8 diesem Bereich Eingang in die Kita-Praxis und es werden entsprechende Instrumente (z. B. KOMPI 7 ) dafür entwickelt. Die Gründe für die Orientierung hin zur Vermittlung der Nachbarsprachen liegen zumeist in der unmittelbaren Grenzlage zu Tschechien und Polen und einem persönlichen Interesse von Eltern und Erziehern/innen bzw. Lehrern/innen am Lernen und Vermitteln der Nachbarsprache. Die Intensität, mit der die Nachbarsprachen vermittelt werden, variiert stark und ist vor allem in den Kitas abhängig vom individuellen Engagement der Erzieher/innen. Im überwiegenden Teil der Kitas, die sich der Mehrsprachigkeit widmen, lernen die Kinder die Nachbarsprache meist nur durch einige Redewendungen, Vokabeln, Lieder und Gedichte kennen. Die erzielten Effekte bei den Kindern sind deshalb nach wie vor meist gering. 8 2.2 Fachliche Begleitung und Unterstützung Der Begleitung der Kindertageseinrichtungen und Grundschulen und ihrer fachlichen Unterstützung in der nachbarsprachigen Bildungsarbeit widmet sich in der Euroregion Neisse- Nisa-Nysa (ER NNN) seit 2003 das grenzüberschreitende Bildungsnetzwerk PONTES 9 , welches im Rahmen des Bundesprogramms „Lernende Regionen“ bis April 2007 eine Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) erfahren hat. Mit der PONTES-Werkstatt „Nachbarschaft und Sprache“ wurden in dieser Zeit u. a. folgende Unterstützungsangebote entwickelt und unterbreitet: • Fortbildungen zur Qualifizierung der Erzieher/innen in der interkulturellen und mehrsprachigen Arbeit, • Fachtagungen, u. a. „Erfolgreich über Immersion zur Mehrsprachigkeit in der Euroregion Neisse-Nisa-Nysa" (28./29.09.2007), • regelmäßige Erfahrungsaustausche in der Arbeitsgruppe „Pädagogen der Nachbarsprachen", • Hospitationen der Erzieher/innen im Nachbarland, • Vermittlung von Muttersprachlern/innen zum Einsatz in den Kitas, • regionale und überregionale Öffentlichkeitsarbeit für das Erlernen der Nachbarsprachen. Durch die Arbeit der PONTES-Werkstatt „Nachbarschaft und Sprache" ist es gelungen ein grenzüberschreitendes Netzwerk von Erziehern/innen in Kindertageseinrichtungen zu knüpfen 10 . Dieses Netzwerk wird seit 2012 auch durch den ausschließlich ehrenamtlich agierenden, trinationalen Verein TriLingo e. V. 11 durch verschiedene Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit wie dem jährlichen „Tag der Nachbarsprachen“, einer Wanderausstellung mit der Präsentation von Kita-Partnerschaften u. a. unterstützt. 7 www.bildungsmarkt-neisse.eu/kompi 8 Merkel, K. (2012) 9 www.pontes-pontes.eu Gellrich, R. (2008) www.trilingo.eu

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