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Schlussbericht 2014/2015

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13 beendet werden

13 beendet werden (müssen) und damit vielfach keine kontinuierliche pädagogische Arbeit im Bereich der frühen nachbarsprachigen Bildung erfolgt. Dies belegen auch die Ergebnisse einer umfangreichen Evaluation deutsch-tschechischer Projekte von TANDEM, an der 2011 mehr als 80 Kitas teilgenommen haben 24 : Die Kita-Leiter/innen beklagten darin einen Mangel an finanzieller Förderung und forderten eine größere Kontinuität. Ein Beispiel für die Förderung von Zweisprachigkeit gibt die Verordnung über Kindertageseinrichtungen im sorbischen Siedlungsgebiet – SächsSorbKitaVO: Ein jährlicher zusätzlicher Betriebskostenzuschuss pro Gruppe in Höhe von 5.000 € ermöglicht die Finanzierung des über den Personalschlüssel nach SächsKitaG hinausgehenden Personalbedarfes für die immersive zweisprachige pädagogische Arbeit einschließlich der erforderlichen spezifischen Fachberatung und Fortbildung. 2.4.3 Personal Grundlage für die Finanzierung von pädagogischem Personal in Kitas bildet die Sächsische Qualifikations- und Fortbildungsverordnung pädagogischer Fachkräfte (SächsQualiVO), die folgende Berufsabschlüsse vorschreibt: staatlich anerkannte/r Erzieher/in, staatlich anerkannte/r Heilpädagoge/in mit Fachschulabschluss, staatlich anerkannte/r Kindheitspädagoge/in, staatlich anerkannte/r Sozialpädagoge/in, staatlich anerkannte/r Sozialarbeiter/in, staatlich anerkannte/r Heilpädagoge/in mit Hochschulabschluss, Master in einem Fachgebiet des Sozialwesens, Master im Studiengang Heilpädagogik oder Diplom oder Bachelor im Studiengang Erziehungswissenschaft, Studienrichtung Sozialpädagogik/Soziale Arbeit. Mit dieser auf das deutsche Berufsbildungs- und Studiensystem abgestimmten Regelung einher geht die Problematik der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse für den Einsatz von Muttersprachlern/innen in den sächsischen Kitas auf Grund der unterschiedlichen Berufsbildungssysteme in den Nachbarländern Sachsen, Polen und Tschechien. Vereinfachte Verfahrensregelungen könnten hier dazu beitragen nachbarsprachige Bildungsarbeit bis hin zur Umsetzung der Immersionsmethode in Kitas der Grenzregionen zu fördern. 2.5 Datenlage Nach einer Studie des Vereins für frühe Mehrsprachigkeit an Kindertageseinrichtungen und Schulen (FMKS e. V.) 25 gibt es in Deutschland 1035 bilinguale Kitas (Stichtag 31.01.2014). Dies sind Kitas, die neben Deutsch eine weitere Sprache im Alltag verwenden, d. h. nach der Immersionsmethode arbeiten. Darunter befinden sich deutschlandweit lediglich 6 Kitas mit Tschechisch und 8 Kitas mit Polnisch als Immersionssprache. In Sachsen hat sich das bilinguale Angebot in den zurückliegenden 10 Jahren mehr als verdreifacht. Mit 65 bilingualen Kitas nimmt Sachsen dabei den 6. Platz im Länder-Ranking ein – dazu gehören nach Angaben des FMKS auch 3 Kitas mit Polnisch und 4 mit Tschechisch. Nachfragen beim SMK sowie beim Statistischen Landesamt des Freistaates Sachsen (Sta- La) in 09/2014 haben die Vermutung bestätigt, dass es bisher keine sachsenweiten Erhe- 24 TANDEM (2011b) 25 FMKS (2014)

14 bungen und belastbaren Daten zu der konkreten Arbeit der einzelnen Kitas im Kontext nachbarsprachiger Bildung gibt. Auch in den angefragten Landkreisen gibt es keine aktuelle Übersicht über Kitas mit nachbarsprachigen Angeboten. Ausnahme bildet der Landkreis Görlitz. So hat 2007 eine Bestandsaufnahme 26 der PONTES-Werkstatt „Nachbarschaft und Sprache" in der Euroregion Neisse-Nisa-Nysa ergeben, dass in 12 Kindertageseinrichtungen der deutsch-tschechischen Grenzregion und in 8 Kindertageseinrichtungen der deutschpolnischen Grenzregion in der Euroregion Neisse-Nisa-Nysa Sprachangebote unterbreitet werden oder eine Partnerschaft mit einer Kindertageseinrichtung des Nachbarlandes besteht. Aufbauend darauf wurde durch die PONTES-Agentur als Verbundpartnerin des Landkreises Görlitz im Modellvorhaben „Zukunft durch Bildung im Landkreis Görlitz: Mit Energie und ohne Grenzen“ im Bundesprogramm LernenvorOrt 2011 erneut eine Bestandsaufnahme zur Situation der nachbarsprachigen Bildung in den Kitas und Grundschulen des Landkreises Görlitz durchgeführt mit dem Ergebnis, dass nunmehr mind. 16 Einrichtungen Tschechisch-Angebote und/oder eine Partnereinrichtung in Tschechien und mind. 18 Einrichtungen Polnisch-Angebote und/oder eine Partnereinrichtung in Polen haben. Die Ergebnisse der Kita-Befragung wurden im 1. Bildungsbericht 2012 des Landkreises Görlitz 27 veröffentlicht, aus dem in der Folge Handlungsempfehlungen für die Bildungsentwicklung im Landkreis Görlitz 28 , insbesondere auch für die nachbarsprachige Bildung, abgeleitet und durch den Kreistag bestätigt wurden. 2014 erfolgte im Zuge der Erarbeitung des Bildungsatlas des Landkreises Görlitz 29 eine erneute Abfrage aller Kitas hinsichtlich ihrer nachbarsprachigen Angebote und grenzüberschreitender Partnerschaften. Nachbarsprachige Bildungsangebote halten dementsprechend im Landkreis Görlitz aktuell 28 von 169 Kitas (ohne Horte) vor (Stand: 07/2014). Insgesamt sind die verfügbaren Daten außerordentlich schwierig zu bewerten und z. T. gibt es gravierende Widersprüche. So wertet der FMKS in seiner o. g. Studie mit Stand 31.01.2014 folgende sächsische Kitas als bilingual 30 , also als Einrichtung, die die Immersionsmethode im Kita-Alltag umsetzt: • Polnisch: Deutsch-polnisches Kinderhaus Ostritz, Kita „Schlumpfenhaus“ Deschka, Kita Bad Muskau • Tschechisch: Kita „Knirpshausen“ Zittau, AWO-Kinderhaus „Lauschezwerge“ Waltersdorf, Kita „Regenbogen“ Oberwiesenthal und Kita „Wichtelhäusl“ Deutschneudorf Erhebungen im Zuge der Bildungsberichterstattung im Landkreis Görlitz 2011 ff. belegen hingegen, dass drei dieser Kitas (Deschka, Bad Muskau, Zittau) früher zwar zeitweise nach der Immersionsmethode gearbeitet haben (Einsatz von Sprachassistenten/innen im Rahmen des o. g. PONTES-Projektes „Aufbau und Entwicklung bilingualer Konzepte in Kindertageseinrichtungen der Euroregion Neisse-Nisa-Nysa“), dies aber nach Projektende auf Grund 26 SMS (2007) 27 Landkreis Görlitz (2012) 28 Landkreis Görlitz (2014a) 29 Landkreis Görlitz (2014c) 30 Herangezogene Kriterien siehe Begriffserläuterung, S. 29

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