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Schlussbericht 2014/2015

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www.nachbarsprachen-sachsen.eu

43 6.2.6

43 6.2.6 Aufgeschlossenheit gegenüber nachbarsprachigen Angeboten Frühe nachbarsprachige Bildung wird dort am besten funktionieren, wo Kita-Träger, Kita- Team und Eltern an einem Strang ziehen. Aus diesem Grunde wurde abschließend nach der empfundenen Aufgeschlossenheit dieser Gruppen gefragt (vgl. Abb. 26). Abb. 26: Aufgeschlossenheit gegenüber frühen nachbarsprachigen Angeboten 93 % der Kita-Leiter/innen schätzten ein, dass die Kollegen/innen nachbarsprachiger Bildungsarbeit offen bis sehr offen gegenüber stehen, bezogen auf den Träger waren es 88 %. Hingegen nahmen die Kitas nur etwa zwei Drittel der Eltern als aufgeschlossen und sehr aufgeschlossen wahr, so dass sich hier ein weiterer Bedarf an Aktivitäten zur Sensibilisierung dieser Zielgruppe für die Chancen des frühen Nachbarsprachenlernens für ihre Kinder abzeichnet. Insgesamt ist in den Kitas, die im Bereich der frühen nachbarsprachigen Bildung aktiv sind, eine hohe Affinität aller Beteiligten zu dieser Arbeit festzustellen. Zu relativieren ist dieses positive Bild jedoch mit Blick auf die weit überwiegende Zahl der Kitas im sächsischen Grenzraum, die in diesem Bereich überhaupt noch nicht oder nicht mehr aktiv sind. 6.2.7 Qualitative Aussagen, Hinweise und Anregungen der Kitas Die befragten Kitas hatten die Möglichkeit bei einer Vielzahl von Fragen Kommentare, Erläuterungen etc. hinzuzufügen und zum Abschluss der Befragung auch in einer offenen Frage Ergänzungen und freie Meinungsäußerungen zur Thematik zu formulieren. Von dieser Möglichkeit haben viele rege Gebrauch gemacht und sich die Zeit genommen auf Chancen und Herausforderungen in ihrer tagtäglichen Arbeit konkret hinzuweisen. Deutlich wurde dabei, wie wichtig den Befragten die Thematik der frühen nachbarsprachigen Bildung ist. Sie dokumentierten nicht nur in beeindruckender Weise ihre Bereitschaft sich dafür zu engagieren, sondern machten auch nachdrücklich auf Stolpersteine, Veränderungs- und Unterstützungsbedarf aufmerksam. Nachfolgend sind, stellvertretend für die Vielzahl an Antworten, einige repräsentative Zitate aufgeführt: ‣ „Wenn ich bei Vorträgen, Befragungen oder externen Besuchen, Elterngesprächen mal tiefer über unsere Arbeit nachdenke, stelle ich oft fest wie wichtig, aber auch wie speziell unsere Arbeit ist. Für uns sehr normal und zum Alltag geworden. Für

44 Fremde, manchmal aber auch Eltern sehr besonders. Das erfahren wir/ ich oft durch staunende, wertschätzende Worte oder der Frage: 'Wie macht ihr das denn?“ ‣ „Viele Dinge sind sicherlich möglich, ohne sich dabei unter Druck zu setzen. Partnerschaften müssen zwanglos und freiwillig sein. Die breite Öffentlichkeit und die Eltern müssen davon überzeugt sein. Man muss den Menschen verständlich machen, dass nicht nur Englisch für die Bildung der Kinder wichtig ist ...“ ‣ „Unterstützung durch das Land Sachsen, speziell in der Bereitstellung und Finanzierung zusätzlichen Personals (Muttersprachler) sowie die Anerkennung der Berufsabschlüsse der tschechischen Kolleginnen/Kollegen im Vorschulbereich, so dass diese auch gemäß Sächsischer Fachkräfteverordnung bei uns arbeiten dürfen; vielleicht wären auch Sonderregelungen für den unmittelbaren grenznahen Raum zu Tschechien denkbar.“ ‣ „Leider fehlen in Sachsen die entsprechenden gesetzlichen Rahmenbedingungen zur Beschäftigung ausländischer pädagogischer Fachkräfte. (Die Gleichwertigkeitsprüfung von Abschlüssen im Speziellen). Für die Beschäftigung nach § 12 Absatz 1 SächsKitaG '(...) kann die Arbeit der päd. Fachkräfte durch weitere geeignete Mitarbeiter (...) unterstützt werden.' gibt es keine gesetzliche Finanzierungsgrundlage.“ ‣ „Die Anträge zur Förderung des Projektes stellen eine große Hürde dar. Die Vorgaben für die Ausgaben sind zu streng, man hat zu wenig Spielraum für Eigeninitiative.“; „Die Projekte müssten meiner Meinung nach spontaner erfolgen und nicht schon im Voraus total vorgeplant werden bzw. alle finanziellen Aufwendungen im Vorfeld festgelegt werden.“ ‣ „Im Kindergartenbereich bietet sich die Möglichkeit, Kindern das Nachbarland und dessen Sprache unvoreingenommen und mit mehreren Sinnen erlebbar zu vermitteln - die Zeit und der Wunsch sind vorhanden - was fehlt ist die finanzielle Absicherung der Begegnungen und der Sprachfachkräfte.“ ‣ „Das Interesse des Trägers muss passen, da die Organisation und die gesamte finanzielle Abstimmung über diesen laufen müsste. Ist leider nicht immer gegeben.“ ‣ „Finanzierung??? Da hätten wir gern neue Infos. Aber Geld ist nicht alles, uns macht das Miteinander mit unseren polnischen und deutschen Kindern Spaß.“ ‣ „Es gibt viele Probleme bei der Umsetzung von nachbarschaftlichen Projekten, wer im Team solche Projekte als wichtig und notwendig ansieht und das Potential für die Einrichtung und die Kinder erkennt, setzt diese trotzdem um. Es wäre aber echt schön, wenn es uns leichter gemacht würde. Ich denke dann würden sich auch noch mehr Kindereinrichtungen in diese Arbeit einbringen.“ 6.3 Schlussfolgerungen Die Ergebnisse der im Rahmen der Umsetzungsstufe 2 der Bestandsaufnahme zur frühen nachbarsprachigen Bildung in Kitas der sächsischen Grenzregionen durchgeführten Online- Befragung bestätigen die als Ausgangspunkt gewählten grundlegenden Hypothesen (siehe Kap. 3) und untersetzen im Wesentlichen auch die in Kap. 5.3 getroffenen Schlussfolgerungen aus Umsetzungsstufe 1 der Bestandsaufnahme:

Jugend / Bildung