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Wer kommt? Wer geht? Wer bleibt?

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Eine Studie zur Verbesserung der Verbleibchancen qualifizierter Frauen im Landkreis Görlitz

In drei

In drei themenzentrierten Werkstätten des Projekts waren Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Beratung, Wirtschaft und Verwaltung, Planung und Bildung involviert. Die gewonnene Erfahrung im Umgang mit geschlechtersensiblen Perspektiven ermöglicht hoffentlich mehr Akzeptanz für das Thema, weil seine Notwendigkeit und das brachliegende Potenzial offenbar werden. Die untenstehende Grafik zeigt den dynamischen Prozess im Zeitverlauf. 4.2.1 Dezember 2015: Einführungs-Workshop „Bleiben.Verstehen.Anerkennen“ Im ersten Teil des Workshops sprachen Planer und Unternehmerinnen, Wissenschaftlerinnen und Führungskräfte über die regionalen und überregionalen Herausforderungen und Chancen, wenn Frauen als wichtige Protagonistinnen im ländlichen Raum wahrgenommen werden. Des Weiteren wurden die „Austauscharmut“ peripherer Regionen durch einseitige Fortzüge der Mobilen Kasten 2: Einführungs-Workshop – Ergebnisse 1. Mobilität junger Menschen in Ausbildungsphasen ist eine unvermeidbare und strukturell bedingte, aber persönlich motivierte Tatsache. Mobilität als Ressource: gut ausgebildete Menschen kommen (wieder) in die Region, Menschen, die „was stemmen“ und neue Impulse und Ideen bringen. 2. Rückkehr in die Region: Familie als zentrales Motiv. Zugezogene bleiben eher, wenn sie Familie gründen. Das „Gründen von Familie oder Unternehmen“ scheint ein zentraler Motor des Bleibens zu sein. 3. Soziale Innovationen werden gegenüber technischen vernachlässigt. Zur förderfähigen Hardware gehören: Hausbau, Industrie, Infrastruktur; vernachlässigt wird die Software: Netzwerke, Wissensmilieus, Kultur. 4. Das ostdeutsche Selbstverständnis der Berufs tätigkeit von Frauen verhindert nicht, dass Frauen auf ihre Rolle als (potenzielle) Mütter reduziert und qualifizierte Beschäftigte sowie Unternehmerinnen in der Region marginalisiert und diskriminiert werden. 5. Die regionale Branchenstruktur erschwert die Entwicklung qualifizierter Jobs in frauentypischen Berufssparten. 6. Anzeiger für Entwicklungschancen: Je mehr gut ausgebildete Frauen, desto günstiger die Entwicklungsbedingungen einer Region; je weniger kluge Frauen, desto ungünstiger (vgl. Leibert 2011). 7. „Life-Life-Balance“: Welche unternehmerischen oder personalpolitischen Instrumente können Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen und Männer leisten? 8. Herkunftsorientierung: Bleiben bedeutet nicht, in der Region geboren zu sein! Zugewanderte werden kaum als Verbleibgruppe wahrgenommen, aber Rückgekehrte. Indes: Welche Bleibeperspektiven haben „Ur-Oberlausitzerinnen“? 9. Infrastruktur in der Region. Aufrechterhaltung von Mobilitätsoptionen durch ÖPNV. Vorhandenen Freiraum und Gestaltungsmöglichkeiten kommunizieren, z. B. über einen (!) Veranstaltungskalender die zahlreichen Angebote der Region publik machen. Abbildung 4: Der Forschungs- und regionale Kommunikationsprozess im Zeitverlauf 22 Alle Werkstattberichte sind dokumentiert unter: http://www.hszg.de/ trawos/projekte/verbleibchancen-junger-frauen-inder-oberlausitz.html. 4.2 Workshop und Werkstätten im Forschungsprojekt Im Dezember 2015 fand der Auftakt-Workshop „Bleiben.Verstehen.Anerkennen“ in der HSZG am Campus in Görlitz statt. Mit dem Abschluss der quantitativen Befragung der Schülerinnen und Schüler und der Studierenden der HSZG im März 2016 begann die Auswertungsphase. In zwei Forschungswerkstätten wurden Teilergebnisse mit Multiplikatorinnen und Verantwortungsträgern der Region diskutiert. Ziel war es, an vorhandene Erfahrungsräume anzuschließen und gemeinsam Bedarfe und Potenziale für Handlungsempfehlungen zu entwickeln. Um möglichst vielen Akteurinnen und Akteuren die Teilnahme zu ermöglichen, fanden die Werkstätten an unterschiedlichen Orten im Landkreis statt. Dabei soll die Wahrnehmung der Teilnehmenden sowohl auf Aspekte der Mobilität innerhalb der Region gerichtet werden, aber auch Qualitäten betont werden, die durch weibliche Protagonisten im Landkreis hervorgehoben werden. 22 und Qualifizierten und geringe Rückkehrer- und Zuzugsdynamiken und die Gefahr des „Verlustes von Entwicklungsperspektiven“ problematisiert. Anschließend thematisierten Protagonistinnen und Protagonisten Erfahrungswelten qualifizierter Männer und Frauen im Landkreis, u. a. reflektierten “Väter in Führungspositionen“ ihre Erfahrungen und machten deutlich, dass das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie längst auch zentral für Männer ist. Frauen, die sich entweder nur beruflich oder nur privat in der Region aufhalten, berührten den Aspekt „Teilzeit-Anwesenheit“ vor dem Hintergrund bilokaler Lebenswelten. (siehe auch Kasten 2) 4.2.2 Mai 2016: Erste Forschungswerkstatt „Beschäftigungsperspektiven für qualifizierte junge Frauen und Männer im Landkreis Görlitz“ Wie kann es gelingen, die Bedürfnisse nach Erwerbstätigkeit und beruflichen Chancen im Landkreis Görlitz für die je spezifischen Bevölkerungsgruppen umzusetzen? Einen Tag lang wurden im Haus Schminke in Löbau Perspektiven im Landkreis diskutiert und neue Handlungsfelder erschlossen. Tagungsort: Das Haus Schminke Beispielhaft lädt das Architekturdenkmal von Hans Scharoun zum Perspektivwechsel ein. Der Forschungsstrategie nicht unähnlich lebte der Architekt eine Weile mit seinen Auftraggebern, der Nudelfabrikantenfamilie Schminke, zusammen und baute das bedürfnisgerechte Gebäude quasi um sie herum. Großzügige Räume im Erdgeschoss ermöglichen Rückzug für die einzelnen Familienmitglieder, aber auch Geselligkeit. Auch die getrennten Betten der Eheleute ließen sich je nach Bedarf zusammenstellen oder auseinanderrücken. Anekdotenreich führt die Geschäftsführerin Claudia Muntschick die Gäste durch Kasten 3: Erste Forschungswerkstatt - Ergebnisse 1. Geschlechtersensibilität für alle - in Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Bildung. 2. Konsolidierung von institutionellen und strategischen Partnerschaften (Hochschule, Landratsamt, Arbeitsagentur, regionale Unternehmerinnen und Unternehmer, Verbände) 3. Praktisch werden. Das Miteinander muss praktiziert werden. 4. Eine Vision für den Landkreis zu entwickeln, ist ein Prozess, der Zeit benötigt, unterschiedliche Akteure einbinden und andauernd gestaltet werden sollte. das Haus, welches „als Zentrum der Topographie der Bauten der Moderne (…) ein Anlaufpunkt für Touristen aller Welt [ist].“ 23 Die Werkstatt: Regionale Bedingungen – überregionale Bedeutung Zunächst wurden einige regionale Daten und erste Ergebnisse aus der Befragung zu den persönlichen und beruflichen Perspektiven der Befragten in der Region vorgestellt, um die hiesige Situation hinsichtlich der geschlechtsspezifischen Abwanderungsneigung mit anderen Regionen zu vergleichen. Ein Vertreter des Landes Sachsen-Anhalt stellte Strategien 5. Instrumente wie Coaching, Trainings und Workshops sind für alle Prozesse geeignet: • zur Weiterentwicklung von individuellen Qualifizierungsoptionen in der Region, • zur Weiterentwicklung von organisationalen Kompetenzen wie Personalentwicklung, strategische Planung und Kommunikation, • zur Weiterentwicklung bzw. Entwicklung geschlechtersensibler Ansätze für Führungskräfte und Verantwortungsträger in Wirtschaft und Verwaltung. 23 Siehe http://topomomo. eu/locations, Hervorhebung im Original; letzter Zugriff: 12.01.2017. 26 27

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